München – Der Präsident ist sich keiner Schuld bewusst. „Gleich nach der Wahl zum Präsidenten des BJV habe ich die Ärmel hochgekrempelt und die seit Jahren bestehenden Probleme gelöst“ – so beginnt Ernst Weidenbusch, 59, einen Videoclip, der dieser Tage unter den Jägern kursiert. Ein zweiter beginnt, untermalt von Musik, mit den Worten: „Wir Jäger sind die Anwälte und Hüter des Wildes“, dann sieht man Weidenbusch am Rande eines Flusses und in inniger Umarmung mit seinem Hund.
Es ist Wahlkampfzeit beim Bayerischen Jagdverband, und Weidenbusch ist im Wahlkampfmodus. Denn auch die Gegenseite ist nicht untätig. In einem Podcast feuern die Vorsitzenden dreier BJV-Kreisgruppen mehrere Salven gegen den Präsidenten ab – gegen „Brezel-Ernst“, die „Skandal-Nudel“, der es, so O-Ton im Podcast, „an der charakterlichen Eignung“ fehle.
Am Samstag nächster Woche steht das Finale bei der Landesversammlung in Hof bevor: Weidenbusch oder Ludwig Freiherr von Lerchenfeld, der potenzielle Gegenkandidat aus Oberfranken? Bis zu 700 Delegierte werden in der örtlichen Freiheitshalle erwartet. Der Jagdverband, traditionell eher konservativ eingestellt, mit guten Kontakten zu CSU und Freien Wählern – Weidenbusch ist selbst CSU-Abgeordneter –, steht vor einer Zerreißprobe.
Es ist zur Stunde nicht einmal sicher, dass es zur Kampfkandidatur kommt. Sicher ist, dass es eine lange Sitzung wird, mit Streit und Emotionen. 19 Tagesordnungspunkte sind angesetzt, das kann sich noch ändern. Aber eigentlich geht es vor allem um Tagesordnungspunkt 15, der ganz unverdächtig mit „Antrag der Kreisgruppe Dachau vom 21. 12.2022“ betitelt ist. Der Antrag ist wiederum in zehn Unterpunkte untergliedert, in Punkt 6 verlangt Dachau den „Widerruf der Bestellung von Herrn Ernst Weidenbusch“ als Jagdpräsident, laut Punkt 7 soll auch sein Generalsekretär Robert Pollner gehen und in Punkt 9 wird dann die Neuwahl gefordert.
„Es herrscht eine Grundstimmung im Verband, dass es so, wie es im Moment ist, nicht weitergehen kann“, sagt Ernst-Ulrich Wittmann, Chef des Jagdschutz- und Jägervereins Dachau, der den Antrag initiiert hat. „Mit Herrn Weidenbusch wird ein Neuanfang nicht nur schwer, sondern das ist perspektivlos.“ Für ihn ist der 65-jährige Lerchenfeld („hat Stallgeruch“) der geeignete Kandidat.
Ernst Weidenbusch empfängt in seinem Büro in der Geschäftsstelle des Jagdverbands in Feldkirchen (Kreis München). Vor dem Büro bellt sein Hund, der vom Video, und im Gespräch ist auch der Präsident ganz zahm. „Wir legen die Entscheidung jetzt in die Hände der Delegierten“, sagt Weidenbusch. Er hoffe auf einen „vernünftigen Ablauf“ ungeachtet aller Querelen. Davon gibt es einige. Weidenbusch und Wittmann haben sich nach einem verbalen Schlagabtausch bei der Jagdmesse in Grünau bei Neuburg an der Donau gegenseitig verklagt. Damals, am 15. Oktober 2022, stritten sie um den Verkauf und Verzehr von Brezen und Wurst in der Festhalle, der angeblich nicht erlaubt war. Daher auch der Spottname „Brezel-Ernst“ im Podcast der Weidenbusch-Gegner.
Gleichfalls ein Fall für die Justiz ist die von Weidenbusch veranlasste fristlose Kündigung des Geschäftsführers, die den Verband eine satte Abfindung kosten könnte. Und dann ist da – neben vielen weiteren Punkten – noch die umstrittene Position eines Generalsekretärs, die Weidenbuschs Vertrauter aus Altötting, Robert Pollner, einnimmt. Das Amt gebe es nicht in der Satzung, sagt Wittmann. „Er hätte sich auch Papst nennen können.“
Im Büro erzählt Weidenbusch, wie er vor acht Jahren zur Jagd kam – denn auch das, sein Späteinstieg, wird ihm öfters zur Last gelegt. Eigentlich habe ihn ja seine Ehefrau überzeugt, die nach einem Sportunfall etwas Neues beginnen wollte. „Ohne sie hätte ich die Jägerprüfung nicht geschafft.“ Jetzt aber jagt er ein bis zwei Mal die Woche in einem Revier bei Freising. Er esse (mit Freunden) alles selbst, was er erlege, betont Weidenbusch. Dann sagt er, Sacharbeit sei ihm viel wichtiger. Fasan und Kaninchen sind in Bayern am Aussterben. Es gehe um eine Reform der Forstgutachten im Sinne der Jäger, um mehr Geld für Schießstände.
Ein Tagesordnungspunkt immerhin ist bei den Jägern weitgehend unumstritten. Der ehemalige Präsident Jürgen Vocke, 79, der 2019 wegen des Vorwurfs von Finanzmachenschaften zurücktrat, soll Ehrenpräsident werden. Alle Vorwürfe seien widerlegt, sagt Weidenbusch. Und, oh Wunder, Wittmann ist da derselben Meinung.