Vor Kurzem habe ich in der Zeitung einen Text über den Trend zu Sologamie gelesen. Frauen heiraten sich selbst – in Indien, Italien, Spanien, Mexiko, USA und vor allem Japan. Die Gründe sind vielfältig. Da ist die Auflehnung gegen die Diskriminierung als unverheiratete Frau, die das Leben nach ihrem Gusto gestalten und beruflich erfolgreich sein möchte. Verständlich auch eine herzhafte Abneigung gegen das Patriarchat in manchen Kulturen, das Frauen nur bestimmte, untergeordnete Rollen zuweist, ihnen aber nicht die eigene Wahl und Freiheit lässt, um sich entfalten zu können. Die Selbstheiraten werden prächtig gestaltet, wie richtige Hochzeiten: mit üppigen Brautkleidern, Blumen, Ring, Fotoshooting, Autokorso und Torte, mit vielen Gästen, Musik und anschließenden Solo-Wellness-Flitterwochen. Letztlich richten sich die Damen komplett an überkommenen, verträumten Vorstellungen aus und unterwerfen sich eher uralten Bildern einer Märchenhochzeit, als wirklich selbstständig und unabhängig von gängigen Klischees zu sein. Alles wie gehabt, nur ohne Partner oder Partnerin. Hauptsache irgendwie romantisch und filmreif. Notfalls sogar mit männlichem Model als hübscher Staffage.
Es gibt allerdings eine Überlegung, die man aus guten Gründen anstellen könnte. 1984 sang Udo Lindenberg: „Drum prüfe, bevor man sich so radikalo bindet, dass man sich selber erst mal spitze findet. Da lieb ich mich doch erst mal selber…“ Fast biblisch – den Nächsten lieben wie (!) sich selbst. Wer sich nach dem idealen Partner sehnt und enttäuscht ist, weil er bloß FröschInnen küsst und keinen Prinzen, keine Prinzessin für sich findet, sollte wirklich erst mal für sich bleiben. Nur ein Mensch, der erwachsen ist und allein gut klarkommt, ist reif für eine echte Beziehung. Die umfasst Gefühl und Verstand gleichermaßen und konfrontiert den anderen nicht mit überzogenen Erwartungen. Was passiert eigentlich, wenn eine sologame Person trotz aller Selbstverliebtheit auf Dauer nicht mit sich klarkommt? Lässt sie sich scheiden und bleibt dennoch bei sich? Zumindest muss sie den Haushalt und die Geldanlagen nicht auseinanderdividieren. Ich glaube, mir ist das zu singulär. Im Wortsinn. Lieber ackere ich mich mit meinem Mann durchs Leben und freue mich, dass wir uns selber mögen und gegenseitig lieben.