Früher war Lilo Schellong Chemielaborantin. Seit 15 Jahren ist die 75-Jährige aus Bernried in Rente. Seitdem ist ihr Terminkalender immer voll. Sie kümmert sich um die Flüchtlinge in Tutzing. Seit 2015 ist sie im Helferkreis engagiert. Natürlich gönnt sie sich auch ab und zu einen Tag für sich. Die meisten Tage sehen aber so aus:
. 8.30 Uhr: Der Wecker klingelt. Der Tag beginnt mit dem Frühstück.
. 11 Uhr: Sie begleitet einen fast blinden Mann aus Mali, der eine neue Arbeitsstelle sucht, zum Jobcenter. Sein Deutsch ist noch zu schlecht, um sich dort allein zu verständigen.
. 12.30 Uhr: Die Rentnerin bereitet das Mittagessen für sich und ihren Mann zu. Anschließend nehmen sich beide gerne Zeit für einen Spaziergang.
. 14.30 Uhr: Ein Ukrainer kommt mit seiner achtjährigen Tochter zu ihr. Lilo Schellong kocht für alle Tee und hilft den beiden, Deutsch zu lernen. Das Mädchen besucht bereits eine Schule, ihr Vater kam erst vor wenigen Wochen in Deutschland an. Bei Lilo Schellong lernt er die wichtigsten Sätze. Oft muss sie auf ihrem Handy ein Übersetzungsprogramm nutzen, damit sie sich verständigen können.
. 16.30 Uhr: Die Ukrainer verabschieden sich. Schellong setzt sich an den Computer und sucht im Internet nach Wohnungen für Afghanen in Tutzing. Auch den Wohnungsmarkt der Zeitungen durchstöbert sie, telefoniert mit einigen Vermietern. Keine Wohnung kommt für die Afghanen infrage. Sie wird es morgen wieder versuchen.
. 19.30 Uhr: Sie macht Abendbrot für sich und den Gatten.
. 20 Uhr: Ihr Mann verfolgt die Tagesschau. Sie hört nur mit einem Ohr hin. Parallel ist sie auf Twitter aktiv und informiert sich über die Lage in Afghanistan und im Iran. Dabei vergisst sie leicht die Zeit.
. 22 Uhr: Ein bisschen Zeit für sich: Die 75-Jährige macht es sich gemütlich und liest einen Roman.
. 0.30 Uhr: Lilo Schellong fallen die Augen zu, sie geht ins Bett. KATRIN WOITSCH