Grüne fordern virtuelle Klinik

von Redaktion

Digitale Vernetzung soll Kindermedizin in Bayern verbessern

VON SEBASTIAN HORSCH

München – Mehr als 40 Kinderkliniken gibt es in Bayern. Trotzdem sind die Häuser oft überlastet, weil insbesondere in der Pflege Fachkräfte fehlen. Gerade, wenn regelrechte Infektionswellen wie im vergangenen Winter die Runde machen, droht die ohnehin dünne Personaldecke schnell zu reißen. Die Folge: Immer wieder müssen Kinder von einem Krankenhaus in ein anderes verlegt werden, teils werden sie durch halb Bayern gefahren, um versorgt werden zu können.

Damit trotzdem alle Kinder im Ernstfall die bestmögliche Behandlung bekommen können, schlagen die Landtags-Grünen den Aufbau eines telemedizinischen Netzwerks für Kinderintensiv- und Notfallmedizin in Bayern vor. Unter dem Titel „Virtuelles Kinderkrankenhaus“ haben sie einen entsprechenden Antrag eingebracht, über den am Mittwoch im Haushaltsausschuss des Landtags beraten werden soll. Die Kosten für das Projekt setzen die Grünen mit drei Millionen Euro an.

„Schwer erkrankte oder verletzte Kinder benötigen eine sofortige und hochqualitative Versorgung“, heißt es im Antrag. Gerade die Erstbehandlung habe großen Einfluss auf den Krankheitsverlauf und die Sterblichkeit. Weil sich Möglichkeiten bei der Behandlung und Früherkennung verbessert haben, gebe es neben den akut erkrankten Kindern zudem eine stetig wachsende Anzahl von schwer und komplex chronisch kranken Kindern. Wenn sich deren Zustand verschlechtert, brauchen sie schnell eine hoch spezialisierte Behandlung, argumentieren die Grünen – und das oft gleichzeitig auf verschiedenen Feldern.

Darüber hinaus würden Kinder nicht selten auch in Erwachsenen-Krankenhäusern ohne Anbindung an eine Kinderklinik behandelt. In all diesen Fällen könne eine telemedizinische Unterstützung durch erfahrene Kindermedizin-Spezialisten an anderen Häusern ebenfalls sinnvoll sein. Vorstellen kann man sich das dann wohl als eine Art virtuelle Visite. Wenn der Experte für eine bestimmte Krankheit beispielsweise in Würzburg sitzt, könnte er auf diesem Weg unkompliziert und schnell auch einen Blick auf einen kleinen Patienten in München werfen.

Die Idee ist im Grundsatz bereits erprobt. In März 2020 hat Nordrhein-Westfalen das virtuelle Krankenhaus bereits eingeführt. Seither seien fast 600 Corona-Patienten in mehr als 3700 virtuellen Sitzungen versorgt worden, teilt das Gesundheitsministerium in Düsseldorf mit. Über 40 Krankenhäuser würden den Dienst regelmäßig in Anspruch nehmen. „Dieses Konzept lässt sich problemlos auf die Kinderintensiv- und Notfallmedizin (und andere Fachgebiete) übertragen“, heißt es im Grünen-Antrag.

In NRW gibt es schon ein Netzwerk – für Erwachsene

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