Mutter, Oma und Zirkusdirektorin

von Redaktion

Doro Auer ist immer für ihre große Familie da – ihre Arbeit stemmt die 60-Jährige fast nebenbei

Es gibt Tage im Leben von Doro Auer, die gemütlich sind. Kein frühes Aufstehen, eine ausgiebige Yoga-Einheit, Essen mit der Familie und am Abend ein Glas Wein in einem ihrer Lieblingslokale. Es gibt aber auch Tage, die sind voll mit Terminen, Aufgaben und Projekten – das ist der Alltag der gerade 60 Jahre alt gewordenen Direktorin des Zircus Leopoldini. Ein Tag im Leben der vierfachen Mutter und dreifachen Oma:

.  8.30 Uhr: Der Wecker läutet. Längst ist die jüngste Tochter Emilie auf dem Weg zur Schule. Die 20-Jährige macht gerade Abitur. Im Flur liegt Juno, die Hündin ihrer Tochter Myriel. Doro Auer kümmert sich oft um sie. Heute genießt die Gründerin der Zirkusschule das späte Aufstehen. Früher, als alle vier Töchter hier gewohnt haben, musste sie um 6.30 Uhr aus den Federn.

. 8.35 Uhr: Kater Memphis wartet ungeduldig, dass es für ihn Frühstück gibt.

. 8.45 Uhr: Bevor ihr Mann Moritz sich in sein Architekturbüro verabschiedet, trinken die beiden noch gemeinsam einen Kaffee und besprechen, was der Tag bringt.

. 9 Uhr: Doro sitzt am Laptop und beantwortet Eltern-Anfragen zu den Zircus-Kursen, klärt Fragen mit dem Kreisverwaltungs- und dem Kulturreferat für das Sommerfestival. Ihr E-Mail-Ordner ist voll. Oft schafft sie es erst nachts, alles abzuarbeiten.

. 11 Uhr: Zeit für die tägliche Yoga-Einheit. Mit Blick in den kleinen Garten konzentriert sich Doro Auer auf ihr Programm. Mal sind es 20 Minuten, mal fast eine Stunde.

. 11.30 Uhr: Duschen. Dabei hat sie oft die besten Ideen.

. 11.40 Uhr: Schnell schreibt die gelernte Herrenschneiderin ihre Ideen auf. Im Laufe des Tages entsteht ein Sammelsurium von Zetteln, Einfällen und Erinnerungen.

. 12 Uhr: Bevor sie mit Trainer Marius telefoniert, wann sie die neuen Jonglierbälle bringen soll, stellt sie die erste Waschmaschine des Tages an. Im Trockner liegen bereits die Handtücher ihrer ältesten Tochter Sarah, die in der Nähe wohnt und den Waschsalon der Mutter gerne nutzt.

. 12.30 Uhr: Das Telefon klingelt im Fünf-Minuten-Takt – fast immer geht es um den Zircus, aber auch der Rest der Familie braucht sie ständig.

. 14 Uhr: Heute kommt Enkel August (2) am Nachmittag, weil dessen Mutter Sarah Termine hat. Gemeinsam wird erst einmal Brotzeit gemacht. August schnippelt mit seiner Momi (wie sie von allen Enkeln genannt wird) Gurken.

. 14.30 Uhr: Emilie, die Jüngste, ist von der Schule zurück und hat Hunger. Gemeinsam setzen sie sich an den Familientisch, und die Abiturientin erzählt, was in der Schule los war. Eine Geschichtsklausur steht an, Doro Auer muss sie später abfragen.

. 15 Uhr: Die zweitälteste Tochter Myriel (26) kommt vorbei und bringt Augusts Bruder Ludwig (4) mit. Sie arbeitet in dessen Kindergarten, und wenn sie eh schon auf dem Weg ist…

. 16 Uhr: Im Hause Auer geht’s jetzt richtig rund. Drei der vier Töchter sind da, drei Enkel, ein Hund und ein Kater. Zudem will ein Zircus-Vater, der die Webseite programmiert, wissen, wie sich Doro die neuen Anmeldeformulare vorstellt.

. 17 Uhr: Doro muss kurz ins Leopoldini-Training der Großen. 140 Nachwuchs-Artisten üben für die neuen Shows. Der Besuch ist heute kurz. Doro sieht, es läuft alles, sie liefert Trainer Kenny nur die richtigen Bälle.

. 18 Uhr: Auf dem Heimweg ruft sie zu Hause an, ob jemand was vom Biomarkt braucht, der auf dem Weg liegt.

. 19 Uhr: Eigentlich sollte das Abendessen jetzt schon auf dem Tisch stehen, aber heute wird’s ein bisschen später.

. 19.40 Uhr: Ehemann Moritz trudelt langsam ein, freut sich auf den gemeinsamen Abend mit der Familie. Tochter Josefine (24) ruft an, fragt, ob es zufällig heute was Leckeres zu essen gibt.

. 20.15 Uhr: Familienzeit.

. 22 Uhr: Josefine bricht auf, Moritz und Emilie räumen die Küche auf. Doro schmeißt die nächste Waschmaschine an, fragt Emilie noch über die Geschichte der DDR ab.

. 23.30 Uhr: Ein Korb Bügelwäsche wartet. Nebenher schaut sie eine Serie.

. 0.30 Uhr: Doro trägt Termine in den Kalender ein und setzt sich an die Nähmaschine. Einige Kostüme haben Risse und müssen repariert werden.

. 1.30 Uhr: Sie nimmt sich den Probenplan vor, fügt Änderungen ein und speichert zufrieden das Ergebnis.

. 2.45 Uhr: Die Powerfrau fällt müde ins Bett. Mal zufrieden, mal nicht.

Protokoll: Dorit Caspary

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