München – Ein turbulentes Auf und Ab auf dem Thermometer steht in den nächsten drei Tagen bevor. In der Nacht auf Samstag kühlt es deutlich ab. Auch tagsüber bleibt es bei Temperaturen um die null Grad. Am Alpenrand und in den Bergen kann es Schnee- und Graupelschauer, sogar bis zu 15 Zentimeter Neuschnee geben und glatt auf den Straßen werden. Auch Sonntagnacht bleibt es frostig, bei Temperaturen um und unter dem Gefrierpunkt.
Auf den Winter folgt der Sommer – aber nur einen Tag lang. „Am Montag werden 15 bis 19 Grad erwartet“, sagt Guido Wolz vom Deutschen Wetterdienst in München. „Der Spitzenwert könnte bei 20 Grad liegen – sofern am Alpenrand der Föhn stimmt.“
Dass der März mit seinen rasanten Stimmungsschwankungen und großen Temperaturunterschieden dem April Konkurrenz macht, ist laut Wolz nicht ungewöhnlich. „Aktuell ist die Wetterlage recht lebhaft. Wir dürfen aber nicht vergessen, dass wir in Mitteleuropa mitten in einer Westwind-Zone liegen“, sagt er. Hoch- und Tiefdruckgebiete, Subpolar- und Tropenluft, wechseln sich hier ab. „Zum Montag schiebt sich eine Warmfront mit sehr milder Meeresluft von den Kanaren über Spanien nach Westen.“ Scheint dann noch die Sonne, ist T-Shirt-Wetter.
Am Sonntag Glühweintrinken, am Montag Eisschlecken – uns Menschen kann das launische Wetter schon mal irritieren. Wie reagieren darauf Pflanzen und Tiere? Wolfgang Kurtz, Leiter der Agrarmeteorologischen Forschungsstelle des DWD in Freising, macht so eine „Eintagsfliege“ weniger Sorgen. „Sind es in dieser Jahreszeit aber mehrere Tage am Stück, an denen solche Hochdruckbedingungen herrschen, kann das die Vegetationsruhe durchaus stören – und Pflanzen und Insekten den Impuls geben, in Gang zu kommen.“ Verheerend sind so starke Temperaturschwankungen laut Kurtz aber erst im Voll-Frühling, also etwa von Ende April bis Mitte Mai, wenn Spätfrost den Apfelanbau schwer schädigt, indem er die Blüten absterben lässt.
Für Agrarmeteorologen gibt es nicht nur vier, sondern sogar zehn Jahreszeiten. Der Frühling besteht aus Vor-, Erst- und Voll-Frühling. „Dass es dieses Jahr im Januar mehrere Tage am Stück recht warm war, hat sich auf den Vor-Frühling ausgewirkt“, sagt Kurtz. „Die Maiglöckchen und Haselsträucher waren deshalb vier Wochen früher dran als sonst.“
Die phänologische Zeigerpflanze, an der Forscher den Anfang des Erst-Frühlings messen, ist die Forsythie. Einige Melder des DWD haben inzwischen auch schon diese Sträucher blühen sehen. Mit ihrer gelben Blütenpracht sind sie gut zwei Wochen zu früh dran. CORNELIA SCHRAMM