Lichtenfels – Die Ladentür des Blumengeschäfts in der Lichtenfelser Innenstadt stand am späten Freitagabend noch offen, die Dekoration im Eingangsbereich war nicht weggeräumt. Passanten bemerkten das und näherten sich dem Geschäft. Im Verkaufsraum machten sie die grausame Entdeckung: Die Floristin Beatrix G. lag tot auf dem Boden. Die Polizei leitete sofort eine Großfahndung nach dem Täter ein, sie blieb jedoch erfolglos. Das Motiv ist völlig unklar, die Polizei schloss bisher weder einen Raubüberfall, noch eine Beziehungstat aus.
Auch gestern noch war der Blumenladen am Rande des Lichtenfelser Marktplatzes mit Polizei-Absperrband abgeriegelt. In Lichtenfels fand ein verkaufsoffener Sonntag statt. Die Stimmung in der oberfränkischen Stadt ist gedrückt. „Es ist viele Jahrzehnte her, dass es in Lichtenfels ein derartiges Verbrechen gegeben hat“, sagte Landrat Christian Meißner (CSU). Seine Gedanken seien beim Mann und der kleinen Tochter der Floristin. Ein Motiv für die Tat können sich selbst gute Bekannte der getöteten Verkäuferin, die alle nur Trixi nannten, nicht vorstellen. „Sie war eine Seele von Mensch“, erinnert sich Bäckerei-Verkäuferin Heike Höppel. Erst am Freitagmorgen hatte sie Beatrix G. einen Cappuccino und ein belegtes Brötchen verkauft. „Wir hatten hier in der Nachbarschaft ein total gutes Verhältnis. Wer tut so was? In dem Laden war doch nichts zu holen.“
Noch am Wochenende rief die Kripo Coburg die 30-köpfige Soko „Blume“ ins Leben. Von deren akribischer Tatortarbeit kündeten unter anderem die Nummerntafeln auf dem Boden des Geschäfts. Während sich die Staatsanwaltschaft zum Tathergang bedeckt hielt, berichtete der „Fränkische Tag“ von einer Messerverletzung als Todesursache.
Nun liegt der Fokus der Ermittler vor allem auf vier Personen, die am Freitagabend im und vor dem Laden gesehen wurden. „Zwei Zeuginnen sollen den Laden kurz vor 18 Uhr betreten haben“, berichtet Polizeisprecherin Kristin Plank. Sie hatten sich nach dem Aufruf bereits gestern bei der Polizei gemeldet. Noch gesucht wird nach einem 25- bis 30-jährigen Mann mit südländischem Aussehen und schwarzen lockigen Haaren. Der schlanke, etwa 1,75 Meter große Mann habe eine olivgrüne Jacke getragen. Von der vierten Person liegt keinerlei Beschreibung vor. Für alle, die etwas Auffälliges beobachtet haben, haben die Ermittler ein Hinweistelefon eingerichtet (0921/506 14 14). Seit Samstag seien bereits zahlreiche Hinweise aus der Bevölkerung eingegangen, denen nun nachgegangen wird, berichtet Plank.
Am Samstag sperrte die Polizei kurzzeitig auch die Bahnstrecke bei Lichtenfels. Ermittler suchten das Gleisbett nach einer möglicherweise weggeworfenen Tatwaffe ab. Vergeblich.