„Meistens ist die Batterie kaputt“

von Redaktion

2022 half der ADAC in Bayern bei 450 000 Pannen – Immer häufiger sind E-Autos betroffen

VON ANDREAS HÖSS

München – Mehr Einsätze in Bayern, weniger im Bund: Das ist die Pannenbilanz des Jahres 2022, die der ADAC am Dienstag in München vorgestellt hat. Exakt 454 646 Mal rückten die Gelben Engel genannten Pannenhelfer im vergangenen Jahr zwischen Garmisch, Hof, Passau und Lindau aus, fast 8200 Mal öfter als noch 2021. Der Grund für den leichten Anstieg: Seit die coronabedingten Reisebeschränkungen gefallen sind, rollt wieder mehr Reise- und Transitverkehr durch den Freistaat. Und das bedeutet auch: mehr Pannen.

Vor Ort treffen die Straßenwachtfahrer und die Partnerfirmen des Clubs fast immer auf die gleichen Probleme. „Meistens ist die Batterie kaputt“, erklärt Thomas Reynartz, der Leiter der ADAC Pannenhilfe. Auch Motorprobleme, streikende Anlasser oder Reifenschäden kommen häufig vor (siehe Grafik). Abwechslungsreich ist dagegen die Auswahl an liegen gebliebenen Fahrzeugen. Hier ist alles dabei – von Oldtimern über Mofas bis zu VW-Bussen oder Sportwagen. „Für die Helfer ist das eine ganz schöne Herausforderung“, sagt Reynartz. „Denn sie müssen sich mit einem alten VW Golf II genauso auskennen wie mit einem nagelneuen Elektro-Auto wie dem VW ID.4.“

Ohnehin schlägt sich die wachsende Zahl der E-Autos langsam, aber sicher in der Pannenstatistik nieder. Die Gelben Engel wurden 19 200 Mal von E-Autofahrern und fast 33 000 Mal von Hybridfahrern gerufen, das jedoch deutschland- und nicht bayernweit. Insgesamt gebe es bei E-Autos zwar weniger Probleme, weil die Motor- und Getriebeschäden wegfallen, berichtet Reynartz. Dafür würden die Starterbatterienauffällig oft Ärger machen. „Das spricht dafür, dass die Technik bei einzelnen Modellen nicht ausgereift ist.“

Aber nicht nur kaputte Autos sind ein Fall für den ADAC. Seit 2022 repariert er auch Räder oder schleppt sie ab. Das geht bereits in elf deutschen Städten, darunter München und Berlin. Immerhin 5532 Mal wurde der neue Dienst 2022 in Anspruch genommen, in acht von zehn Fällen, weil sich Radler einen Platten gefahren hatten. In der Regel machten die Helfer die Räder dann aber sehr schnell wieder flott.

Auch für die kommenden Jahre hat der Autoclub Neuerungen geplant. Seit Januar läuft ein Pilotprojekt mit mobilen E-Boostern, mit denen man leere Batterien von E-Autos sehr schnell so weit laden kann, dass sie zumindest bis zur nächsten Säule kommen. Ebenfalls in einer Testphase befindet sich gerade ein Diagnosestecker für den Fehlerspeicher von Autos. Bei Mitgliedern, die ihn künftig installiert haben, will der ADAC schon aus der Zentrale per Ferndiagnose auslesen, weshalb ein Auto nicht fährt und sogar vorab vor drohenden Defekten warnen, wenn zum Beispiel die Batterie langsam den Geist aufgibt. Auch die Sicherheit von Pannenfahrzeugen und Helfern soll gesteigert werden, etwa, indem Navigationssysteme vor diesen Gefahrenstellen warnen.

Übrigens: Deutschlandweit rückten die Pannenhelfer 2022 über 3,4 Millionen Mal aus, im Schnitt alle neun Sekunden. Anders als in Bayern waren das aber nicht mehr, sondern weniger Einsätze, weil der Winter mild war. Denn wenn es kalt ist, geht es für die Helfer am heißesten her. Das zeigt auch der pannenreichste Tag des Jahres, der 19. Dezember 2022, an dem es Minustemperaturen mit Eis und Schnee gab. Allein an diesem Tag wurde der ADAC 17 436 Mal gerufen.

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