Würzburg – Er stellte sich mutig dem Amokläufer von Würzburg entgegen, wehrte den somalischen Flüchtling (34) im Sommer 2021 mit seinem Rucksack ab: Dennoch soll der iranische Kurde Chia Rabiei (43) nun Deutschland verlassen. Gestern klagte er gegen den Abschiebebescheid vor dem Bayerischen Verwaltungsgericht.
Richter Wolfgang Müller gab sich zu Beginn knallhart: „Nur weil Sie in Deutschland verhindert haben, dass Leute erstochen werden, sind Sie nicht asylberechtigt.“ Rabiei entgegnete, dass er seiner Tante im Iran beim Verteilen politischer Flugblätter geholfen habe und in Deutschland zum Christentum konvertiert sei. „Der Geheimdienst versuchte bereits herauszufinden, wo ich bin.“ Nachdem Medien nach dem Amoklauf mit drei Toten und neun Schwerverletzten über Rabieis Einsatz berichteten, wurde er weltweit bekannt, bekam die Bayerische Rettungsmedaille von Ministerpräsident Markus Söder und den XY-Preis für Zivilcourage von Bundesinnenministerin Nancy Faeser. Nun drohe ihm erst recht die Todesstrafe im Iran, sagt sein Anwalt Roj Khalaf: „In den Augen des iranischen Staates hat er sich jemandem, der aus islamistisch motivierten Gründen gemordet hat, entgegengestellt.“
Zwei Stunden lang durchleuchtete der Richter die Gefahren bei einer Abschiebung in den Iran und Rabieis Glauben, fragte sogar: „Können Sie sich vorstellen, zum Islam zurückzukehren?“ Rabiei war fassungslos: „Ich war schon im Iran kein Muslim, wie soll ich da zurückgehen?“ Beim Messerattentat habe er aus christlicher Nächstenliebe gehandelt, nicht um ein Aufenthaltsrecht in Deutschland zu bekommen. Er hat inzwischen Deutsch gelernt, arbeitet in der Gastronomie und hat eine feste Partnerin. Dann flossen bei ihm die Tränen: „Der Bescheid des Bundesamtes für Migration wird aufgehoben, das BAMF wird verpflichtet, ihm die Flüchtlingseigenschaft zuzuerkennen“, urteilte Richter Müller. Es sei ihm nicht mehr zumutbar zurückzukehren. Erleichtet kündigte Chia Rabiei an, sich nun um eine Einbürgerung zu bemühen: „Ich bin überglücklich.“