München – Dass die Züge Richtung Garmisch-Partenkirchen, Kochel und Oberammergau im DB-Rot lackiert sind, muss nicht so bleiben. Theoretisch könnte künftig auch Go-Ahead fahren, die BRB oder vielleicht sogar die österreichische ÖBB (die sich schon einmal beworben hatte). Gestern hat die Bayerische Eisenbahngesellschaft, die dem Verkehrsministerium untersteht, die Ausschreibung „Werdenfels 2028+“ bekannt gegeben. Die Strecken werden also neu vergeben. Ein neuer Verkehrsvertrag startet im Dezember 2027 und läuft bis Ende 2039.
Für die Pendler enthält die Ankündigung freilich einen Dämpfer: „Das Grundangebot des neuen Verkehrsvertrags basiert auf der heutigen Streckeninfrastruktur und entspricht daher im Wesentlichen einer Fortschreibung des Status quo“, heißt es in der Mitteilung. Das heißt: Die BEG rechnet nicht damit, dass die Strecke ausgebaut wird. Derzeit ist sie ab Tutzing Richtung Süden bis auf kleine Abschnitte nur eingleisig.
Der Fahrgastverband Pro Bahn hatte nach dem Unfall bei Burgrain ein Ausbauprogramm gefordert, unter anderem mit einem zweiten Gleis von Murnau bis Uffing/Huglfing und neuen Bahnhöfen in Wilzhofen, Polling und Kainzenbad. Mit nichts davon rechnet die BEG. Im Gegenteil: Sogar kleinere Verbesserungen hängen „von der Finanzierbarkeit ab“, wie BEG-Geschäftsführer Thomas Prechtl erklärt. Er erwarte dringend „eine Aussage der Bundesregierung über eine weitere Aufstockung der Regionalisierungsmittel“, ansonsten könne man das Zugangebot „kaum noch ausbauen“. Die BEG weist auf eine weitere Verbesserung hin – einen Stundentakt umsteigefrei von München über Mittenwald bis Innsbruck. Derzeit geht es nur alle zwei Stunden nach Innsbruck. In Richtung München gibt es indes kaum Verbesserungen. Ein Halbstundentakt München–Murnau steht unter Finanzierungsvorbehalt, sagt Prechtl und verweist erneut darauf, dass die Infrastruktur „kaum noch über Kapazitätsreserven“ verfüge.
„Ich bin enttäuscht“, kommentiert Pro-Bahn-Sprecher Nobert Moy die Ankündigung. Wenn sogar der Halbstundentakt nach Murnau unter Vorbehalt stehe, gebe es für Pendler eigentlich keine Verbesserungen – und das möglicherweise bis 2039. „Wir können das nicht akzeptieren.“ Auf die Pendler kommt ohnehin Ungemach zu: Ab Mittwoch sowie erneut im Juni und Juli ist der Abschnitt Tutzing–Weilheim wegen Bauarbeiten gesperrt. Zahlreiche Sperrungen wegen Erneuerung der Oberleitung gibt es ab heute bis in den Sommer hinein auch zwischen Tutzing und Kochel.