Die Freilassinger Käse-Affäre

von Redaktion

Händler verkauft auf dem Wochenmarkt Supermarkt-Produkt für sieben Euro

Freilassing – Supermarkt-Käse auf dem Wochenmarkt? Genau das hat ein Händler in Freilassing gemacht – und für den Käse überzogene Preise verlangt. Für sieben Euro verkaufte er die Käsewürfel im Glas aus dem Supermarkt. Ein Käufer hatte beim Landratsamt den Verdacht geäußert, dass es sich um ein Supermarktprodukt handle. Daraufhin wurde der Händler überprüft. Die Behörde bestätigt: „Der Käse wurde von Kaufland bezogen.“ Eine nicht entfernte Seriennummer lieferte den Beweis.

Aus lebensmittelrechtlicher Sicht sei das nicht zu beanstanden, sagt das Landratsamt im Berchtesgadener Land. „Die Informationen zum Hersteller und zum Inhalt der Gläser waren korrekt.“ Für den Verbraucher sei dieses Verhalten allerdings intransparent.

Hans Gruber, der Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbands, würde es eher als Sauerei bezeichnen. Er vertritt die Landwirte im Berchtesgadener Land und betreibt selbst eine Käserei auf dem Eisenbichler Hof in Bad Reichenhall. „Auf einem Wochenmarkt gehen Verbraucher davon aus, Ware aus eigener Herstellung zu erhalten“, betont er. Hinzu komme: Kaufland bietet die Käsewürfel für etwas mehr als 2,50 Euro an. Der Händler auf dem Wochenmarkt hatte mehr als das Zweieinhalbfache verlangt. Bei einigen Händlern seien Sortimentsergänzungen abseits der eigenen Produkte zwar durchaus üblich, erklärt Gruber. Sie müssten aber auf den ersten Blick ersichtlich sein. „Alles andere ist Verbrauchertäuschung“, ärgert er sich.

Ähnlich sehen das auch die Nutzer der Freilassinger Facebook-Gruppe, einer schreibt: „Wahnsinn, voller Betrug und keine rechtlichen Konsequenzen.“

Von einem Betrug will das Landratsamt nicht sprechen. „Das Produkt wurde nicht durch Angaben wie ,handgemacht‘ oder ,aus der Region‘ beworben“, sagt eine Sprecherin. Die Praxis sei aber nicht gutzuheißen, räumt sie ein. Die Verbraucher würden mit handwerklich hergestellten Produkten aus der Region rechnen. „Wer Käse am Wochenmarkt kauft, will diesen aus eigener Produktion“, betont auch Hans Gruber. Der Wochenmarkt-Händler hat die Produkte mittlerweile aus dem Verkauf genommen. Weitere Konsequenzen drohen ihm nicht. KILIAN PFEIFFER

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