DIRK WALTER
Ausgetrocknete Flüsse, Seen, die zu flachen Tümpeln verkommen – dieses Horrorszenario ist nicht so abwegig, wie es jetzt scheint. Denn die Vorzeichen sind beunruhigend: 2022 war ein Hitzejahr, die Grundwasserreserven konnten sich im Winter nicht erholen, sondern gehen sogar weiter zurück, schon jetzt (!) sind erste Bäche ausgetrocknet. Umso erstaunlicher ist, dass der Umweltminister gestern nicht viel mehr als allgemeine Appelle zum Wassersparen anzubieten hatte. Vor allem scheut er davor zurück, den bereits im Jahr 2021 angekündigten Wassercent konkret einzuführen. So bleibt er Ankündigungsminister. Der Grund ist einfach: Thorsten Glauber würde vielleicht gerne, aber er darf nicht. Vor der Wahl möchten die Freien Wähler jeglichen Anschein vermeiden, sie würden die Bürger mit zusätzlichen Kosten belasten.
Gewiss, ein Wassercent ist natürlich keine populäre Maßnahme. Wer zahlt schon gerne für etwas, was es bisher umsonst gibt? Trotzdem wäre die Wasserabgabe eine Maßnahme zur Ressourcenschonung. Sie muss intelligent gestaltet werden, sodass sie Private schont (vor allem auch die Landwirte), aber große Abnehmer betrifft. In erster Linie sind das die Getränkekonzerne, die sich bis jetzt gratis aus dem bayerischen Tiefengrundwasser bedienen dürfen und das Produkt anschließend verkaufen. Bayern ist nur eines von drei Bundesländern, in denen das Grundwasser (noch) umsonst ist. Das passt nicht mehr in diese (niederschlagsarme) Zeit.
Dirk.Walter@ovb.net