DAS PORTRÄT

Die Donnerstagsdamen

von Redaktion

An einem Donnerstag im Monat kommen die Donnerstagsdamen, das weiß im Marienheim in Glonn jeder. Ihr Erkennungszeichen: die Tortenhaube in der Hand. Ihre Mission: Gebäck und gute Laune auf die Stationen bringen und für etwas Abwechslung sorgen. Helga Berninger koordiniert diese Helfer-Gruppe, seit 46 Jahren ist sie Mitglied. Die Donnerstagsdamen gibt es seit 48 Jahren. In dieser langen Zeit haben sie, selbst konservativ gerechnet, zigtausende Torten und Kuchen in das Seniorenheim getragen. Auch bei Ausflugsfahrten helfen die rüstigen Damen mit. Insgesamt gehören 26 Frauen zu der gut gelaunten Truppe. Und einige von ihnen haben inzwischen ein Alter erreicht, in dem sie selbst zur Bewohnerin werden könnten. Zum Beispiel Elisabeth Decker, knapp 90. Sie hat bei den Donnerstagsdamen eine Spezialaufgabe: das Kaffeemachen. Der kommt zu den Kuchen auf den Servierwagen – und dann geht es los in den Gemeinschaftsraum. Dort sitzen bereits einige Seniorinnen und warten: auf Käse-Sahne-Torte, Maracuja-Torte und Glückshormone. Die sind das Wichtigste, ist Helga Berninger überzeugt. Und der Grund, warum die 76-Jährige für dieses Ehrenamt so brennt. Zehn Minuten Ansprache und frischer Wind von draußen heben die Laune bei den Bewohnern.

Manchmal wird Berninger gefragt, ob diese Besuche bei Demenzpatienten überhaupt Sinn machen würden. „Die Leute können zehn Minuten lang lachen“, sagt sie dann. „Das ist unser Lohn. Und wenn sie es wieder vergessen – ja mei.“ Die Donnerstagsdamen kommen ja schließlich wieder.

An diesem Tag entscheidet sich die 93-jährige Emma Tutschka für ein Stück Himbeerroulade. „Sehr gut“, lobt sie den Kuchen und die Donnerstagsdamen. „Schön, dass Sie da sind.“ Und dann fügt sie das wohl schönste Kompliment für Berninger und ihr Team hinzu: „Eigentlich will ich ein bisserl abnehmen und esse überhaupt keinen Kuchen.“ Aber bei Besuchen der Donnerstagsdamen macht sie nur zu gern eine Ausnahme.

JOSEF AMETSBICHLER

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