Schweinfurt – Der Einsturz eines Traggerüstes einer neuen Autobahnbrücke in Unterfranken ist nach Ansicht eines Gutachters vor allem auf fehlende Berechnungen zurückzuführen. Statische Nachweise hätten gefehlt, dass die Joche des Traggerüsts auch tatsächlich tragfähig gewesen wären. „Der Einsturz erfolgte aufgrund eines globalen Stabilitätsversagens der Joche sieben, acht und neun“, sagte der Bausachverständige Johann Kollegger gestern vor dem Landgericht Schweinfurt. Ein Joch ist ein Träger, der die zu tragende Last in das Traggerüst ableitet.
„Die gefährlichen Sachen sind die, die nicht in der Statik drin sind“, sagte der Gutachter. „Das ist das wirklich Gefährliche, wenn etwas nicht berechnet ist.“
Überdies sei die vorgeschriebene ständige Überwachung des Gerüsts beim Betonieren nicht erfolgt. Wäre dies geschehen, hätte man erkennen können, wie sich die Konstruktion unter der Betonlast für die Fahrbahn verformt habe. Die Staatsanwaltschaft wirft zwei 49 und 65 Jahre alten Ingenieuren sowie einem Statiker (51) fahrlässige Tötung sowie fahrlässige Körperverletzung in 14 Fällen vor. Ein weiterer Ingenieur (59) steht wegen fahrlässiger Tötung vor Gericht.
Der 59-Jährige hat sich laut Anklage als vom Freistaat Bayern betrauter Prüfer praktisch gar nicht mit der Sache beschäftigt und seinerseits die Angelegenheit regelwidrig an den ebenfalls angeklagten 65 Jahre alten Subunternehmer weitergegeben. Dieser wiederum übertrug die Prüfarbeit den Angaben zufolge seinem Angestellten, dem 49-Jährigen, dem die fehlende Berechnung der Statik der später betroffenen Joche offensichtlich nicht auffiel. Der Verteidiger des 59-Jährigen sprach hingegen von „Pfusch am Bau, und zwar eklatant“. Seinen Angaben zufolge wurde das Traggerüst abweichend von den Ausführungszeichnungen aufgebaut, Schrauben und Verbindungen fehlten. dpa