München – Eine Tochter-Firma des Flughafens München ist international ins Gerede geraten. Die Munich Airport International GmbH (MAI) ist aktiv an der Planung eines Flughafens in Albanien beteiligt, der in einem Naturreservat liegt. Umweltorganisationen fordern einen Baustopp. Die Münchner Grünen verlangen Aufklärung.
Die Munich Airport International, eine 100-prozentige Tochtergesellschaft des Flughafens München, ist in den Aufbau des Flughafens einbezogen. Für die MAI ist es nur eines von vielen Engagements weltweit, die Tochter des Flughafens berät seit 30 Jahren Flughäfen in Fragen von Logistik und Betrieb.
Anstößig war das noch nie. Doch bei dem Geschäft in Albanien sieht sich der Flughafen nun internationaler Kritik ausgesetzt. Das Engagement einer von der öffentlichen Hand getragenen Flughafen-Gesellschaft in diesem Projekt sei „außerordentlich problematisch“, sagt Annette Spangenberg von der Stiftung Euronatur. „Wir fordern die Munich Airport International auf, sich aus dem rechtswidrigen Projekt zurückzuziehen.“
Das Albanien-Geschäft wird von Flughafen-Sprecher Henner Euting gegenüber unserer Zeitung wie folgt erläutert: Die MAI berät „aktuell“ die Flughafenbetreibergesellschaft MABCO Constructions, die die Konzession zum Flughafen-Betrieb erhalten hatte. Es gebe „ergebnisoffene Gespräche“ über weitere Management-Leistungen für die MABCO als Betreiber. „Einflussnahmemöglichkeiten oder Entscheidungsbefugnisse hinsichtlich der Planung und der Standortwahl des neuen Flughafens“ habe die MAI nicht.
Der Bau des Flughafens Vlora erfolgt auf dem Gelände eines stillgelegten Reserve-Flugfelds der albanischen Luftwaffe mit Graspiste. Seit November vergangenen Jahres gibt es eine bedingte Baugenehmigung. „Mit dem Bau wurde begonnen“, berichtet Annette Spangenberg, die im Februar vor Ort war. „Bagger habe ich nicht gesehen, aber Lastwagen, die Aushub abtransportieren.“ Ab 2025 sollen auf dem dann dritten Zivilflughafen Albaniens unweit der Adria zunächst 500 000 Passagiere jährlich starten und landen – auch aus Übersee. Die Start- und Landebahn soll 3,2 Kilometer lang werden – dann wäre sie auch für Interkontinental-Maschinen geeignet. Albanien hofft auf mehr Touristen, Umweltschützer indes fürchten um ein Naturreservat. Der Flughafen-Standort 150 Kilometer südlich von Tirana liegt unweit der Narta-Lagune und der Deltamündung des Flusses Vjosa in die Adria. Es ist Durchzugsgebiet, teils auch Brutstätte von Rosa Flamingos, Reihern und Krauskopf-Pelikanen. Erst Mitte März wurde die Vjosa als erster Wildfluss überhaupt komplett zum Nationalpark erklärt – das verträgt sich schlecht mit einem Flughafen quasi nebenan. Besonders strittig: Der Flughafen-Standort lag eigentlich im Vjosa-Narta-Schutzgebiet.
Doch die Regierung in Tirana hat die Gebietsgrenzen geändert und den Flughafen „ausgezont“. Die albanische Umweltorganisation PPNEA und die Albanische Ornithologische Gesellschaft AOS wehren sich juristisch. „Unsere Partner haben zwei Klagen eingereicht“, berichtet Annette Spangenberg von Euronatur. „Wir zeigen damit deutlich, dass wir das Vorgehen Albaniens beobachten.“ Der Flughafen-Bau verstoße gegen nationales und internationales Recht. Der Bau des Airports drohe „das letzte unerschlossene Natur-Juwel Europas zu zerstören“, sagte Aleksander Trajce von PPNEA im Februar.
Hellhörig geworden sind auch die Münchner Grünen. Die Beteiligung in Albanien sei nicht im Aufsichtsrat der FMG vorgelegt worden, schrieb die Fraktionschefin im Stadtrat, Mona Fuchs, auf Twitter. Sie hat in einem Schreiben an den Flughafen um nähere Informationen zu dem Engagement gebeten. Eine Antwort stehe noch aus, sagte ein Sprecher der Fraktion. Erst dann werde entschieden, ob sich die Grünen für den Ausstieg aus dem Geschäft einsetzen werden. Ein Hebel könnte die Beteiligung Münchens am Flughafen sein.