München – Vor dem Hintergrund der Warnstreiks haben Arbeitgeber und Gewerkschaften ihre Tarifverhandlungen für den öffentlichen Dienst wieder aufgenommen. Zum Start der dritten Verhandlungsrunde riefen sich beide Seiten am Montag in Potsdam zu Bewegung auf. Angesichts der verhärteten Fronten war unklar, ob bei der auf drei Tage angesetzten Runde ein Durchbruch gelingt.
Verdi-Chef Frank Werneke sagte, bereits in den vergangenen Tagen sei im Verdi-Bereich die größte Warnstreikbeteiligung seit Jahrzehnten zu verzeichnen gewesen. Das sende „eine klare Botschaft“, dass für die Beschäftigen das bisherige Angebot der Arbeitgeber inakzeptabel sei. Die Arbeitgeber müssten „einen deutlichen Schritt“ auf die Beschäftigten zugehen.
Die Arbeitgeber forderten die Gewerkschaften auf, über das vorliegende Angebot ernsthaft zu verhandeln. Ein neues brauche es nicht, so die Präsidentin der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA), Karin Welge. Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) sagte: „Viele, auch im öffentlichen Dienst, leiden dieser Tage unter den hohen Energiepreisen, unter der hohen Inflation. Deswegen ist es auch unsere Aufgabe, gemeinsam einen guten Abschluss zu finden.“
Verdi und der Beamtenbund dbb verhandeln seit Januar mit Bund und Kommunen über die Einkommen von rund 2,5 Millionen Beschäftigten. Sie fordern vor dem Hintergrund der Inflation 10,5 Prozent mehr Einkommen, mindestens aber 500 Euro mehr im Monat, bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Die Arbeitgeber bieten fünf Prozent mehr in zwei Schritten bei einer Laufzeit von 27 Monaten. Einen Mindestbetrag lehnen Kommunen und Bund ab, bieten aber Einmalzahlungen von zunächst 1500 und später noch einmal 1000 Euro.
dbb-Chef Ulrich Silberbach brachte ein mögliches Scheitern der Verhandlungen ins Spiel. Für den Fall, dass die Arbeitgeber nicht deutlich nachbesserten, sagte Silberbach: „Wir würden dann wahrscheinlich in die Schlichtung gehen. Sollte die wiederum zu keinem Ergebnis führen, dann wird es mal wieder sehr dunkel in Deutschland.“ Dann werde man „in einen flächendeckenden, unbefristeten Arbeitskampf einsteigen müssen“. dpa