Wahlkrimi ohne Entscheidung

von Redaktion

Evangelische Landessynode kann sich nicht auf einen neuen Landesbischof einigen

München – Da halfen weder das neue digitale Wahlsystem, das eingesetzt wurde, noch das Anflehen des „Heiligen Geistes“ in einem eigens unter lauter Orgelbegleitung angestimmten Lied: Erstmals ist in der Geschichte der evangelischen Landeskirche von Bayern eine Wahl zum Landesbischof gescheitert. In einem über siebenstündigen Wahlkrimi in der St. Matthäus-Kirche in München konnten sich die 106 Synodalen gestern nicht auf einen Nachfolger für Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm einigen.

Sechs Wahlgänge lässt das Wahlrecht zu – im letzten Durchgang waren nur noch zwei Kandidaten übrig: der Münchner Regionalbischof Christian Kopp (58) und die Landshuter Dekanin Nina Lubomierski (47). In der fünften Abstimmung hatten die beiden mit jeweils 51 Stimmen bei vier Enthaltungen noch Kopf an Kopf gelegen. Die drei Arbeitskreise der Synode hatten sich um 16 Uhr noch fast eine Dreiviertelstunde zu Beratungen zurückgezogen – denn sie wussten: Erhält im sechsten Wahlgang keiner der beiden 55 Stimmen, dann ist die Wahl geplatzt. Die vier Synodalen, die sich im fünften Durchgang enthalten hatten, mussten überzeugt werden, ihre Stimmen für Kopp oder Lubomierski zu geben.

Die Nerven der Synodalen wie auch der beiden Kandidaten waren fast bis zum Zerreißen gespannt, als um 17 Uhr das Ergebnis verlesen wurde. Doch alles Reden und Beraten war vergebens gewesen: Kopp erhielt 52 Stimmen, die Landshuter Dekanin 50 – und wieder gab es vier Enthaltungen. Während die beiden gescheiterten Kandidaten versuchten, ihre tiefe Enttäuschung hinter ihrem Lächeln zu verbergen, bemühte sich der noch amtierende Landesbischof Bedford-Strohm, die Gemüter zu beruhigen.

„Sechs Wahlgänge habe ich schon erlebt vor zwölf Jahren, aber die Situation, die wir jetzt haben, hat es in der Geschichte unserer Landeskirche noch nicht gegeben.“ Synodale hätten mit sich gerungen, wen sie wählen sollen, damit es ein Ergebnis gibt. In der Demokratie, bei der halt nicht vorher alles offengelegt werde, könne es dann auch zu einer solchen Situation kommen. „Ich sage trotzdem: Ich bin froh und dankbar, dass wir freie Synoden haben, die ihre Wahlentscheidungen frei treffen können – auch wenn es manchmal schwieriger wird“, sagte der Landesbischof. Er ist sich sicher: „Wir werden mit dieser Situation umzugehen wissen.“ Entweder einen Weg zu finden, noch auf der jetzt tagenden Synode in München zu wählen oder das Verfahren ganz neu zu starten. Dann müsste eine Sondersitzung im Laufe des Jahres terminiert werden. Das müsse man jetzt gut miteinander überlegen. Manchmal brauche man noch etwas Geduld. Bedford-Strohm mahnte aber die Synodalen, sich jetzt nicht zu verbeißen und womöglich übereinander zu richten. „Ich bin sicher, in nicht allzu langer Zeit wird an dieser Stelle ein Mensch stehen, dem ich von ganzem Herzen gerne dieses Amt übergeben kann.“

Dass es keine einfache Wahl werden würde, hatte sich abgezeichnet, denn es gab keinen klaren Favoriten. Neben Kopp und Lubomierski hatten sich noch die Direktorin des Partnerschaftszentrums Mission EineWelt, Gabriele Hoerschelmann (54), und der Windsbacher Dekan Klaus Schlicker (56) zur Wahl gestellt. Hoerschelmann zog bereits nach dem dritten Wahlgang zurück. Und als vor dem fünften Durchgang auch Schlicker aufgab, schien ein Nachfolger für Bedford-Strohm in greifbare Nähe gerückt zu sein. Doch um 17 Uhr zeigte sich, dass der siebenstündige Wahlmarathon ergebnislos enden sollte. Dass vier Enthaltungen letztlich für ein Scheitern der Bischofswahl gesorgt haben könnten, dürfte am Montagabend noch zu lebhaften Diskussionen unter den Kirchenparlamentariern geführt haben.

Noch ist völlig unklar, wie es nun weitergehen soll. Rein rechtlich ist es möglich, dass es auf der bis Freitag in München stattfindenden Synodaltagung noch einen neuen Wahlvorschlag mit zwei Kandidaten geben könnte. Das können aber nur zwei der bisher vier angetretenen Personen sein, denn nur für sie liegen die erforderlichen Zustimmungen von der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD) und der bayerischen Staatsregierung vor. Ob sich allerdings nach diesem Wahldebakel, bei dem sich verschiedene Gruppen innerhalb der Synode gegenseitig blockiert haben, überhaupt einer der vier Kandidaten noch einmal dieser Stresssituation aussetzen möchte, gilt als sehr fraglich. Doch auch die Alternative, in absehbarer Zeit eine neue Kandidatensuche zu starten, dürfte sich nach dieser Blamage als äußerst schwierig erweisen. CLAUDIA MÖLLERS

Weiteres Vorgehen

zur Bischofswahl

noch völlig unklar

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