München – Der Schock sitzt noch tief: „Wir Wirte dachten, wir sind krisensicher“, sagt Angela Inselkammer, Präsidentin des Hotel- und Gaststättenverbands in Bayern, und erinnert sich an 2020 und die leeren Tische in ihrem Brauereigasthof Aying. Wochenlang kein oder kaum Umsatz. „Das Berufsverbot in der Pandemie war für uns auch psychischer Tiefschlag.“
Zahlen untermauern jetzt die Emotionen: Gestern stellten das Deutsche Wissenschaftliche Institut für Fremdenverkehr (dwif) der Universität München und Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (FW) den Betriebsvergleich für die Hotellerie und Gastronomie in Bayern vor. In den Lockdowns brach die Nachfrage wie nie zuvor ein. Zwischen 2019 und 2021 ging die Zahl der Übernachtungen um 40 Prozent zurück, bei Auslandsgästen um zwei Drittel. So gingen die Umsätze um mehr als 30 Prozent zurück. Clubs, Jugendherbergen, Hütten und Bars litten am meisten. Aber: Stammpersonal blieb großteils erhalten, nur jeder zehnte Betrieb beklagt Abwanderung. 5000 Betriebe mussten schließen. Das dwif deutet das aber als einen der Gründe, die den Zusammenbruch der Branche verhinderten: Die Schließungen verteilten die reduzierte Nachfrage auf weniger Anbieter. Positiv bewerten die Experten auch, dass viele Betriebe die Zeit zum Sanieren genutzt, also investiert haben.
Staatliche Hilfen und Kurzarbeitergeld bezogen fast alle Betriebe. „Gut angelegtes Geld, das die Branche massiv stabilisierte und dafür sorgte, dass sie nicht im Museum landet“, sagt Aiwanger. Vom Bund fordert er den Mehrwertsteuersatz, der bis Ende 2023 für die Gastro gilt, weiter auf sieben Prozent zu reduzieren. „Das wirkt der Verteuerung entgegen und kurbelt die Inflation nicht weiter an. So müsste das Schnitzel nicht wieder einen Euro teurer werden, damit beim Wirt die Kasse stimmt.“ sco