Kampfjets trainieren über Bayern

von Redaktion

Lechfeld – Im Juni werden täglich Kampfjets der US-amerikanischen Luftwaffe über Bayern fliegen. Deutschland wird Gastgebernation eines groß angelegten Nato-Manövers. Unter Führung der Luftwaffe werden Luftkriegsoperationen geübt. Sie sollen unter anderem die Reaktionsfähigkeit der teilnehmenden Soldaten trainieren – und Stärke demonstrieren. Elf Tage lang wird dafür der Luftraum zum Teil gesperrt.

Einer der Standorte dafür ist der Fliegerhorst Lechfeld im Landkreis Augsburg. Er ist der größte Militärflugplatz Deutschlands. Acht bis zwölf Kampfjets der US-amerikanischen Luftwaffe samt 200 Soldatinnen und Soldaten werden dort stationiert. Die Kampfjets sollen täglich zwei Runden fliegen. Die notwendige Logistik wird bereits Wochen vorher mit den Transportflugzeugen C-130 Hercules abgewickelt. Für die Unterstützung werden zusätzlich rund 100 Kräfte eigenes Personal auf das Lechfeld verlegt. Sie werden größtenteils in Hotels untergebracht.

Die Bundeswehr beschreibt das geplante Manöver als „die größte Verlegeübung seit Bestehen der Nato“. Sie soll die Luftstreitkräfte der Nato und deren Verbündeter in einer Übung vereinen und zusammenführen, schreibt die Bundeswehr auf ihrer Internetseite. Es handle sich laut Luftwaffe um ein „rein defensiv ausgerichtetes Training, das seit 2021 geplant und vorbereitet wird“. Der Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine habe keine Auswirkungen auf die geplante Dimension des Manövers gehabt. Mehr als 10 000 Soldaten und 210 Flugzeuge aus 18 Nationen nehmen an der Übung vom 12. bis 23. Juni teil. Rund 100 Flugzeuge stammen aus den USA. Auch das Vereinigte Königreich, Japan, Schweden und Frankreich sind dabei. Über dem deutschen Luftraum werden zum ersten Mal die amerikanischen F-35-Tarnkappenbomber fliegen.

Lechfeld gehört neben Hohn in Schleswig-Holstein und Wunstorf in Niedersachsen zu den drei Hauptstandorten für die Übung. Zwei weitere Standorte liegen in den Niederlanden und Tschechien. Während der Übung werden die entsprechenden Strecken im deutschen Luftraum für den zivilen Flugverkehr gesperrt. Passagiermaschinen müssen die Übungsgebiete umfliegen. Der Zeitraum überschneidet sich nicht mit den bayerischen Pfingstferien, sie gehen am 11. Juni zu Ende. Wie stark das Manöver einzelne deutsche Flughäfen betrifft, lässt sich noch nicht absehen. Die Deutsche Flugsicherung geht von erheblichen Auswirkungen aus.

Auch der Bundesverband der deutschen Luftverkehrswirtschaft ist besorgt über die Einschränkungen für den zivilen Luftverkehr. Er will Verspätungen von Flügen in diesem Zeitraum möglichst vermeiden. Dafür steht der Bundesverband im Austausch mit den Flugsicherungen anderer Länder und der gesamteuropäischen Eurocontrol. „Um Verspätungen im Luftverkehr zu vermeiden, brauchen die Unternehmen jetzt dringend die Information, welche Luftraumblöcke wann gesperrt werden. Zudem sollten die Auswirkungen der militärischen Übung auf den ohnehin hochbelasteten deutschen Luftraum auf ein Minimum reduziert werden“, sagte ein Bundesverbands-Sprecher.

Die Anwohner der Übungsstandorte müssen mit einer erhöhten Lärmbelästigung rechnen. Die jeweiligen Lufträume sollen laut Bundeswehr immer nur für jeweils zwei Stunden aktiviert werden, nie den ganzen Tag. Für Bayern ist das an den Nachmittagen zwischen 14 und 16 Uhr geplant. Nachts und am Wochenende soll es keine Übungen geben.

In den betroffenen Regionen sind alle Flüge verboten, die nichts mit dem Manöver zu tun haben – selbst Modellflugzeuge und Drohnen dürfen in dieser Zeit nicht abheben. Ausnahmen gibt es lediglich für Polizei- und Rettungseinsätze.

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