Bürgermeister gibt das Gendern auf

von Redaktion

INTERVIEW Stefan Joachimsthaler (CSU) verzichtet in Alling auf den Sprachtrend

Alling – Stefan Joachimsthaler ist 57 und seit drei Jahren Bürgermeister von Alling im Landkreis Fürstenfeldbruck. Der frühere Elektromeister und Vater von vier Kindern hat für die Verwaltung seiner 4000-Einwohner-Gemeinde eine Entscheidung getroffen. Gendern? Nein danke! Im Interview erklärt der CSU-Bürgermeister die Gründe.

Wann haben Sie als Bürgermeister angefangen mit dem Gendern?

Das Thema kam damals im Wahlkampf schon auf. Nach der Wahl haben wir auf unserer Internetseite und auch im Bürgerblatt öfter mal von „BürgerInnen“ geschrieben, um ein bisschen abzukürzen. Das hat sich dann irgendwie eingeschlichen – weil man das eben heutzutage so macht.

Haben Sie auch beim Sprechen gegendert?

Ich persönlich habe das noch nie gemacht. Beim Sprechen klingen gegenderte Wörter einfach nicht natürlich, das ist kein schöner Stil. Da ist die Sprache so unterbrochen, das stört mich. Bei meinen Grußworten oder mündlichen Berichten habe ich die Leute deshalb immer mit „Liebe Bürgerinnen und Bürger“ angesprochen. Ich denke, das ist eine Anrede, die Wertschätzung ausdrückt und jeden gleichberechtigt anspricht.

Wie sehen Ihre Bürger das?

Offenbar genauso. In letzter Zeit wurde ich immer wieder angesprochen, warum unsere Gemeinde in den schriftlichen Veröffentlichungen gendert. Viele meinten: Das passt doch nicht, das ist doch nicht unsere Sprache. Da ich der gleichen Meinung bin, habe ich entschieden, dass wir nicht mehr gendern.

Und das haben Sie in das Mitteilungsblatt der Gemeinde geschrieben.

Ja genau, das erscheint fünf Mal im Jahr und ist besonders bei Senioren beliebt, das hat uns neulich eine Umfrage gezeigt. Auf meine Ankündigung hin, auf das Gendern zu verzichten, gab es eine riesige Resonanz. Ich habe sehr viele Nachrichten bekommen und alle, wirklich alle, waren positiv. Der Tenor war: Endlich mal einer, der was sagt.

Wie reagierten jüngere Bürger Ihrer Gemeinde?

Jüngere sind vielleicht eher auf Social Media wie Facebook unterwegs, da gab es in Bezug auf die Nachricht schon mal vereinzelt kritische Kommentare. Aber die waren in der Minderheit.

Wie wählt Alling?

Wir haben viele CSU-Wähler, aber insgesamt sieben Wählergruppen im Gemeinderat, zum Beispiel auch Freie Wähler, SPD und Grüne.

Was halten die Grünen im Gemeinderat von Ihrer Entscheidung?

Da habe ich noch gar nichts gehört. Ich habe das ja als Bürgermeister in der Verwaltung angeordnet, dafür brauche ich keinen Gemeinderatsbeschluss.

Haben Sie schon Reaktionen von anderen Bürgermeistern bekommen, die nachziehen wollen?

Ich weiß nichts von Nachahmern, aber auch von dieser Seite habe ich schon viel positive Resonanz bekommen.

Hatten Sie nicht auch eine Welle der Empörung befürchtet?

Ich bin gewohnt, dass ab und zu so etwas wie ein Shitstorm kommt. Aber dem sehe ich gelassen entgegen. Und ich sage auch ganz klar: Jeder soll das mit dem Gendern so machen, wie er meint. Es ist schon verrückt, dass den Leuten so ein Thema so wichtig ist.

Woran liegt das?

Sinnvolle Veränderungen sind grundsätzlich etwas Positives. Aber wenn der Gesellschaft etwas aufgedrückt wird, was sie nicht will, stört es die Menschen einfach.

Interview: Carina Zimniok

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