Leck legt MS Bayern lahm

von Redaktion

Pegel zu niedrig: Ältestes Schiff der Starnberger Flotte kann seit Monaten nicht repariert werden

Starnberg – Ab Sonntag schippern alle Schiffe der Bayerischen Seenschifffahrt wieder über den Starnberger See. Alle bis auf die MS Bayern. Sie bleibt im Hafen liegen – und zwar auf unbestimmte Zeit.

Im Inneren des 75 Jahre alten Schiffes rauscht eine Pumpe vor sich hin. Ansonsten würde das 48 Meter lange Schiff wohl sinken. „Bis September ist die MS Bayern noch gefahren“, sagt Michael Grießer, Geschäftsführer der Bayerischen Seenschifffahrt. „Dann haben Mitarbeiter gemerkt, dass Wasser eintritt.“ Das älteste Schiff der Flotte auf dem Starnberger See hat ein Leck. Wie groß das ist, kann von innen aber niemand erkennen. „Um das Problem genauer zu untersuchen, müssen wir das Schiff aus dem Wasser heben und den Schaden von außen begutachten“, erklärt Grießer.

Das ist leichter gesagt, als getan. Seit September wartet die MS Bayern fahruntauglich auf die Diagnose, wie gravierend das Leck ist und ob es repariert werden kann. Der Grund: Aktuell ist der Wasserstand am Starnberger See viel zu niedrig, um sie an Land zu bugsieren. „Im Moment beträgt der Pegelstand um die 60 Zentimeter“, sagt Grießer. „Um das Schiff an Land zu bringen wären 80 gut, 70 Zentimeter bräuchten wir dafür aber mindestens.“ Wegen ihres Alters – die MS Bayern wurde zwischen 1939 und 1948 erbaut – ist ihr Bau noch anders als der der anderen Schiffe in der Flotte. Durch den spitz zulaufenden V-Rumpf braucht es noch mehr Platz, um das Schiff seitlich vom Wasser über Wagerl und Blöcke auf die Helling heben zu können. „Ein Kran allein hilft da nicht – das ist Millimeterarbeit“, sagt Flotten-Chef Michael Grießer. Er hofft, dass der Pegel bald steigt und die MS Bayern an Land gehen kann. „Ob eine Reparatur praktikabel und wirtschaftlich ist, lässt sich leider erst dann sagen.“

Das Leck ist ein Jammer. Immerhin gilt der TÜV-Stempel der MS Bayern noch bis einschließlich 2024. Die Dame ist zwar rüstig, hat alle Anforderungen für die Sicherheit der Fahrgäste aber noch zuverlässig erfüllt. „Trotzdem ist das Schiff inzwischen natürlich in die Jahre gekommen“, sagt Grießer. Die MS Bayern ist nicht barrierefrei, die sanitären Anlagen betagt. „Die ganze Gestaltung ist anders als bei unseren moderneren Schiffen. Man merkt, dass das bei den Fahrgästen nicht mehr gut ankommt.“ Und daher diente die alte Dame schon länger nur noch als Ersatzschiff, wenn eines der beiden großen Schiffe MS Starnberg und MS Seeshaupt abends für Veranstaltungen gechartert waren.

Den aktuellen Fahrplan zum Saisonstart sabotiert das Leck also zumindest schon mal nicht. Und laut Grießer müssen die Tage der MS Bayern auch noch nicht zwingend gezählt sein: „Auf dem Königssee fahren Schiffe mit einem Rumpf aus Holz, die schon 100 Jahre alt sind.“

CORNELIA SCHRAMM

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