Landwirt lässt sein Rotwild schießen

von Redaktion

VON HANNA VON PRITTWITZ

Auing – Eigentlich will Landwirt Martin Sankjohanser gar nicht mehr darüber reden. Denn die Sache geht ihm nah. So nah, dass er auf der Fläche im Kiebitzmoos zwischen Steinebach und Auing im Landkreis Starnberg, auf der er seit 2018 Rotwild hielt, ein Schild aufgestellt hat: „Böse Menschen und ein Jäger haben das Landratsamt in Starnberg dazu getrieben, mir die Wildhaltung zu verbieten“, hat er darauf geschrieben. Und: „Für die freundlichen Gespräche bei den Hirschen möchte ich mich hiermit bedanken.“ Alle 16 weiblichen Tiere hat Sankjohanser vor Kurzem erschießen lassen. Der Hirsch war schon lange nicht mehr da.

Als Sankjohanser 2018 auf Rotwild umstellte, war die Spannung groß. Spaziergänger konnten beobachten, wie sich das Wildtiergatter mit scheuen Tieren füllte, die im Laufe der Zeit immer zutraulicher wurden. Auch Sanktjohanser war zufrieden mit der Entwicklung. „Ich war täglich bei den Tieren. Und ich habe viele freundliche Gespräche mit Spaziergängern geführt“, sagt er. Das Fleisch sei bei der Beschau stets einwandfrei gewesen, „die Kunden kamen wieder, weil sie wussten, wo das Fleisch her kommt“.

Zugleich hatte Sanktjohanser aber auch stets Ärger wegen seines Rotwilds. So gab es regelmäßig Beschwerden über das Röhren des Hirsches. „Völlig unverständlich, der ist nur im Herbst zehn bis 14 Tage brunftig.“ Die Beschwerden mehrten sich aber derart, dass er den Hirsch auf Veranlassung des Landratsamts rausnehmen musste. „Ich habe dann eine Frist nicht eingehalten, weil ich wollte, dass er noch mal deckt“, sagt Sankjohanser. Das kostete ihn 500 Euro Strafe. Bevor er nochmals zahlen musste, ließ er das Tier erschießen.

Kritik bestand zudem am Zustand des Biotops in dem Bereich, in dem die Tiere Schutz suchten. Lange schon wollte Sankjohanser die rund 2,8 Hektar großen Flächen – zum Teil Eigenfläche, zum Teil gepachtet – um weitere 4,5 Hektar südlich auf eigenem Grund erweitern. Doch die Genehmigung zog sich hin, sodass im bestehenden Gehege zwischenzeitlich zu viele Tiere standen. Schließlich untersagte das Landratsamt die Haltung ganz. Unverständlich für Sankjohanser.

„Den Tieren ging es gut“, davon ist er überzeugt. Für ihn fühlt es sich so an, als wären ihm von Beginn an Steine in den Weg gelegt worden. „Dabei wollen die Leute doch regional Fleisch kaufen und eine natürliche Haltung.“

Doch stets sei es ihm schwer gemacht worden. Die 16 Tiere habe er schweren Herzens erschießen lassen, das Fleisch sei nurmehr für Wurstwaren zu gebrauchen. Ein anderer Landwirt wollte ihm zumindest die drei Jungtiere abnehmen, dies scheiterte aus Platzgründen. So mussten auch diese drei getötet werden. „Das war schlimm“, sagt Sankjohanser.

Das Landratsamt sieht die Sache freilich anders: „Alle Fachstellen, also Veterinäramt, Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten und Untere Naturschutzbehörde kommen zu dem Ergebnis, dass sich der Standort des Geheges als nicht geeignet erwiesen hat für die Aufzucht des dort befindlichen Rotwildes“, heißt es in einer Stellungnahme. Man habe auch über einen Vorschlag des Landwirts beraten, den Bestand zu reduzieren. „Das wird aber aus Sicht der Fachstellen nicht für eine Verbesserung der Situation für die Tiere und auch nicht für das Gebiet führen. Und alternative Einhegungsmöglichkeiten haben die Fachstellen nicht gefunden.“

Im Ergebnis sei festzuhalten, dass das Gehege nicht den tierschutzrechtlichen Vorgaben entspreche. Der Boden sei nach Regenfällen völlig aufgeweicht und nass, es gebe kaum Schutz vor Regen, sichtgeschützte Ablegeplätze für Kälber seien nicht vorhanden, es gebe keine ausreichende Bepflanzung mit Bäumen und Büschen für Flucht, Versteck und dergleichen.

Auch Landrat Stefan Frey hat sich der Sache angenommen und eine Mail an Sankjohanser geschrieben. Er äußert Verständnis für Sankjohansers Enttäuschung. Die Argumente, dass sich „Neider“ und „Nachbarn“ beschwert hätten, spielten für die Beurteilung aber ebenso wenig eine Rolle wie die Ansicht derjenigen, die das Gehege gern sehen würden. Entscheidend seien die fachlichen Stellungnahmen.

„Auch ich gehöre zu denjenigen, die Ihnen wirklich eine erfolgreiche Aufzucht gönnen würden, umso mehr nach der Lektüre der damaligen Zeitungsartikel zum Thema aus dem Jahre 2018. Mich jedoch nun gegen die einhellige Bewertung aller Fachstellen (auch der landwirtschaftlichen Fachstelle!) zu stellen und es besser zu wissen als diese, das wäre nicht in Ordnung und nicht gerechtfertigt“, erklärt Frey.

Vom Gehege ist nur noch der Zaun geblieben. „Ich weiß nicht, was wir nun machen“, sagt Martin Sankjohanser, der seinen kompletten Betrieb auf Wildtierhaltung umstellen wollte. „Ich habe schon zu lange gekämpft.“

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