Abschussbefehl für Bärin ausgesetzt – Erinnerungen an Bruno

von Redaktion

Trient/München – Ein italienisches Gericht hat den Abschussbefehl für die „Problembärin“ JJ4 in der Provinz Trentino ausgesetzt und damit der von Tierschutzvereinen eingelegten Berufung stattgegeben. Am 11. Mai soll es eine Anhörung vor Gericht geben. JJ4 hatte in der vergangenen Woche einen Jogger getötet, es handelt sich um die Schwester des 2006 in Bayern erschossenen „Problembären“ Bruno.

Damals war Werner Schnappauf (CSU) Umweltminister. Er hatte Brunos Abschuss in Auftrag gegeben. „Die Entscheidung damals war fachlich notwendig und wird jetzt durch die Ereignisse in Italien bestätigt“, sagte der 69-Jährige im Gespräch mit unserer Zeitung. Bruno habe damals eine gefährliche Nähe zu den Menschen gesucht. In Kochel war der Bär damals nachts um ein Mehrfamilienhaus herumgegangen, im Garten übernachteten zwei Mädchen in einem Zelt. Nur wegen eines Gewitters waren sie vor Mitternacht ins Haus zurückgekehrt. „Sonst hätte niemand die Hand dafür ins Feuer legen können, dass nichts passiert“, sagt Schnappauf. Versuche, Bruno in Lebendfallen zu fangen, schlugen fehl.

Bruno kehrte damals nicht nach Italien zurück, er erlegte in Bayern immer wieder neue Tiere. Es blieb nur der Abschussbefehl, sagt Schnappauf. „Die Entscheidung ist damals allen Beteiligten schwergefallen.“ Doch alle Wildbiologen und Bärenexperten hätten sie mitgetragen. Schnappauf und seine Familie bekamen damals sogar Morddrohungen. Ein Jahr nach Brunos Tod wurde er Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Industrie. Heute arbeitet er für eine Wirtschaftskanzlei.  dpa/we

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