Salzburg – Der Alpenverein im Bundesland Salzburg hat 32 Berghütten, die Naturfreunde 16 Hütten. Doch für beide Organisationen wird es immer schwieriger, Pächter für ihre Häuser zu finden. Hüttenwirte auf Lebenszeit gibt es kaum noch. „Die Arbeitswelt hat sich einfach geändert“, erklärt Anita Bitterlich vom Alpenverein. „Viele wollen zwar einmal etwas anderes erleben. Aber dann merken sie, dass sie sich das Leben auf einer Hütte anders vorgestellt haben. Es ist ein harter Arbeitsalltag mit vielen Durststrecken.“
Beide Salzburger Organisationen behelfen sich mit dem Konzept „Hüttenwirt auf Zeit“ – also mit Ehrenamtlichen, die gegen freie Kost und Logis für einige Wochen ein Haus übernehmen. Noch sind Berghütten über 2000 Meter meist im Winterschlaf, dennoch suchen Alpenverein und Naturfreunde für einige Hütten schon jetzt dringend Pächter. Zum Beispiel für das Anton-Proksch-Haus in Werfenweng. Nach der Corona-Zeit haben dort Mitglieder der Naturfreunde ein Konzept entwickelt, wie das Haus zumindest wochenweise betreut werden kann. Auch für das Leopold-Happisch-Haus im Tennengebirge haben die Naturfreunde keine Pächter mehr gefunden. „Wir haben daher auch dort auf einen Selbstversorgungsbetrieb umgestellt“, sagt Sophia Burtscher von den Naturfreunden in Salzburg. Sie betreibt selbst die Rauchenbühel-Hütte am Gaisberg im Nebenerwerb. Das heißt, dass sie nur am Wochenende öffnet.
Das Ziel, die Hütten langfristig zu verpachten, verlieren die Naturfreunde aber nicht aus den Augen. Die Idee „Hüttenwirte auf Zeit“ erlaubt es aber zumindest, das Leben in der Hütte zu erhalten. Bei Interessenten, die Nicht-Mitglieder sind, merke man sehr schnell, ob sie für einen Hüttenbetrieb geeignet sind. Oder ob sie nur eine romantische Vorstellung vom Hüttenleben haben.
Ein Problem aller Hütten ist auch, dass es im Grunde ein Schönwettergeschäft ist. „Es gibt in Österreich einfach zu wenig Tage und Monate, um die Hütten wirklich wirtschaftlich zu führen“, sagt Burtscher.
Von den 32 Alpenverein-Berghütten im Salzburger Land sind zwei in sehr exponierten Lagen im Pinzgau ohne fixen Hüttenwirt. „Das sind die Rojacher-Hütte mit nur zehn Betten und die Schwarzenberg-Hütte mit 24 Betten, beide Häuser haben einfach nicht die Frequenz um davon leben zu können“, erklärt Anita Bitterlich vom Alpenverein Salzburg. Die Lösung auch dort: Freiwillige sind ein oder zwei Wochen auf der Hütte gegen freie Kost und Übernachtung. „Dafür bekochen sie in dieser Zeit die Wanderer und kümmern sich um die Übernachtungen.“ Viele Freiwillige würden das schon seit Jahren machen und dafür auch extra Urlaub nehmen, berichtet Bitterlich.
Dass Jahrzehntelang ein Pächter eine Hütte führt, gibt es kaum noch. „Das hatten wir zuletzt auf der Hackel-Hütte, die Vor-Vor-Pächterin war tatsächlich 19 Jahre auf der Hütte“, berichtet Bitterlich. Es stimme leider nicht, dass große, gut erreichbare Hütten einfacher einen Pächter finden. Das Gegenteil sei der Fall: „Das Personal für ein großes Haus zu finden ist sehr schwierig, ein Problem ist auch die Lebensmittellieferung auf eine Hütte“, denn wie viel Lebensmittel gebraucht werden hänge eben sehr stark vom Wetter ab. „In einem kleinen Betrieb, wo die Familie oder Freunde mithelfen, kann man das alles leichter managen.“
Doch es gibt auch Hütten, auf denen neue Pächter mit neuen Konzepten die Wanderer begeistern. Zum Beispiel am Heinrich-Hackel-Haus im Tennengebirge. Zwei Freunde aus Wien und Frankfurt sind dort Pächter und haben in diesem Winter auch an den Wochenenden für Skitourengeher geöffnet. „Ihr Konzept ist Regionalität, alles was sie brauchen kaufen sie bei den Bauern in der Umgebung ein“, sagt Bitterlich. „Statt Cola gibt es Pedacola, auf der Speisekarte stehen momentan zum Beispiel Bärlauch-Knödel.“