München/Unterammergau – Es waren Bilder, die Markus Söder (CSU) am Freitag beeindruckt haben könnten. Denn: Almbauer Klaus Solleder hatte dem Ministerpräsidenten auf dem Landfrauentag im Landkreis Garmisch-Partenkirchen Bilder der gerissenen Wildtiere der letzten Tage gezeigt. Der Schock saß bei Solleder, Vize-Bezirkspräsident beim Bauernverband, tief: Im Morgengrauen sei der erste Riss in unmittelbarer Nähe zu fünf Bauernhöfen gerissen worden, erklärte er Söder.
Gestern, nur drei Tage später, erklärte der Ministerpräsident, dass das Kabinett am heutigen Dienstag die nötigen Beschlüsse fassen wird, um die Entnahme von Wölfen zu erleichtern. Er versprach, dass für die Abschuss-Genehmigung vorab keine aufwendigen Rissgutachten mehr nötig sein werden.
Das tote Rotwild, von dem Solleder Söder berichtete, wurde in Unterammergau im Weiler Scherenau um 6 Uhr von einem Landwirt gefunden. Der Milchtransporter habe den Wolf wohl gestört, so Solleder. Die genetische Untersuchung steht noch aus. Die Unterammergauer sind aber sicher, dass mindestens ein Wolf unterwegs ist. „Und der hat jede Scheu vor Menschen und Siedlungen verloren“, sagt Solleder. Mit Beginn der Weide- und Almzeit sieht er auch Nutztiere in Gefahr. „Die Wildrisse lassen sich nicht mehr zählen. Noch ist es ein Problemwolf, bald wird er aber auch zum Schadwolf.“
In Tirol werden seit 1. April Risikowölfe, die sich mehr als einmal in Siedlungen oder an bewirtschaften Gebäuden blicken lassen, zum Abschuss freigegeben. Dass das in Bayern ein Beschluss ähnlich regelt, wünscht sich Solleder.
Ein Wolf, der sich Häusern nähert, ist für Uwe Friedel, Wolfsexperte beim Bund Naturschutz, keine Gefahr für Menschen. „Es ist zu befürchten, dass in Unterammergau bald auch Schafe gerissen werden“, sagt er. Auch wilde Hunde seien unterwegs. „Abschuss-Genehmigungen ohne vorherige Rissgutachten fehlt jede Rechtsgrundlage. Ein solcher Kabinettsbeschluss wird keinen dauerhaften Erfolg haben.“ CORNELIA SCHRAMM