München – „Melken macht Spaß“ – dieser Slogan, der 2022 unter den Milchbauern kursierte, ist nicht mehr aktuell. Seit Jahresbeginn geht der Milchpreis, den die Landwirte von ihren Molkereien für ein Kilo Milch (in der Milchwirtschaft wird nicht in Litern gerechnet) erhalten, deutlich zurück. Die Gründe liegen im traditionellen Rückgang wegen der größeren Milchmenge im Winter und Frühjahr und einer sinkenden Nachfrage aus dem südostasiatischen Markt.
Doch auch Verbraucher haben einen Anteil an der derzeitigen Entwicklung: Der Pro-Kopf-Verbrauch von Milch, Käse und Butter ist zurückgegangen. „Es wird gespart“, sagt Hans-Jürgen Seufferlein, Geschäftsführer des Verbands der Milcherzeuger Bayern (VMB). Verbraucher sind auf billigere Lebensmittel umgestiegen. Aber er ist sich auch sicher: „Es wird weniger weggeworfen, der Wert der Lebensmittel ist gestiegen. Der Joghurtbecher wird bis an den Rand ausgeschleckt.“ Die Preise für Milch- und Käseprodukte waren erheblich gestiegen – noch im März 2023 lagen sie mehr als 30 Prozent über dem Vorjahreswert. Der Butterkonsum ging um über zwölf Prozent zurück. Markenbutter kostete im Dezember bis zu 3,49 Euro das halbe Pfund.
Im Dezember war mit 60,1 Cent für konventionelle Milch der bisherige Höchststand beim Milchgeld erreicht. Gesegnete Zeiten für die Landwirte – auch wenn die Kosten für Strom und Futter ebenfalls kräftig gestiegen sind. Seufferlein sagt offen: „Eine Reihe von Milchbauern hat sehr gut verdient.“ So mancher konnte Geld auf die hohe Kante legen – oder für Investitionen wie einen Tierwohlstall einplanen. Wobei: Auch die Baukosten für einen Laufstall schießen in die Höhe. Ein Platz für eine Kuh kostet laut Seufferlein 15 000 bis 17 000 Euro – bei 80 Kühen ist man schnell bei über 1,3 Millionen Euro.
Seit Januar ist das Milchgeld für die Landwirte auf 53,5 Cent (März) zurückgegangen. Das merkt der Verbraucher beim Einkauf: Markenbutter gibt es wieder für 2,49 Euro, die Eigenmarken der Supermarktketten gar für 1,49 Euro. Die Milchbauern müssen sich wohl auf weiter sinkendes Milchgeld einstellen. „Im Moment müssen wir befürchten, dass der Rückgang noch nicht zu Ende ist“, sagt Seufferlein. Für die nächsten zwei Monate rechnet er aber damit, dass die 50 Cent im Durchschnitt gehalten werden könnten. Die Bodenbildung beim globalen Milchmarkt sei noch nicht erreicht. „Es ist im Moment noch sehr unsicher, was auf den Märkten passiert.“ China etwa hatte seine Einfuhren drastisch gedrosselt – offenbar hat es riesige Mengen von Milchpulver eingelagert.
Auch wenn der Milchpreis für die Bauern weiter runtergeht, kann der Verbraucher nach Überzeugung von Seufferlein nicht darauf hoffen, dass die Preise dauerhaft sinken werden. „Diese Lebensmittelpreise, die wir über Jahrzehnte erleben haben, wird es nicht mehr geben.“ Die Energiewende und die steigenden Kosten für mehr Tierwohl werden sich auf die Preise schlagen: „Es wird nie mehr so billig werden, wie wir es gewohnt waren.“