Meledrio – Gefahr gebannt: Italienische Förster haben am späten Montagabend die Bärin Gaia, die den Jogger Andrea Papi getötet hatte, in eine Falle gelockt. Sie wurde in einen Wildpark bei Trient gebracht. Jetzt gibt es Streit darüber, ob Gaia getötet werden soll – oder weiterleben darf.
Gegen 23 Uhr gelang es den Förstern im Val Meledrio, einem Seitental des Val di Sole im Trient, die Bärin in die Rohrfalle zu locken. Man hatte das Tier mit dem Kürzel JJ4 mit Obst angelockt. Auch zwei ihrer drei Jungen wurden gefangen. Man ließ sie aber bald wieder frei. Die Jungen seien bereits entwöhnt und selbstständig. Darum habe man sie wieder in die Freiheit entlassen können, so der Trentiner Katastrophenschutzchef Raffaele de Col. Gaia wurde betäubt und in das mit Starkstrom gesicherte Gehege des Tierpflegezentrums Casteller am Südrand der Stadt Trient gebracht. Die Pfleger sollten besonders vorsichtig sein, wenn sie sich dem Tier nähern: „Die Aggressivität des Tieres ist jetzt sehr hoch“, mahnte de Col.
Gaia hatte am 5. April den 26-jährigen Jogger Andrea Papi unweit der Ortschaft Caldes im Wald angefallen und getötet. Im Casteller-Gehege befindet sich schon M49, ein ebenfalls eingefangener „Problembär“. Zwei weitere „Risikobären“ – MJ5 (die Einheimischen nennen ihn „Boss“) und M62 – sollen ebenfalls eingefangen werden. Der „Boss“ hatte im März einen Gassigeher angefallen und verletzt.
Der Trentiner Provinzpräsident Maurizio Fugatti von der rechten Lega Nord ist hochzufrieden über die Gefangennahme, aber: „Das ist eine Nachricht, die wir gerne im Jahr 2020 gegeben hätten, als wir die Verordnungen zum Abschuss von JJ4 erlassen haben.“ Damals war eine Abschussverfügung der Provinz vom Verwaltungsgericht abgelehnt worden, obwohl Gaia zwei Jäger schwer verletzt hatte. Auch wenn Gaia jetzt keine Gefahr mehr für die Bevölkerung ist, beharrt Fugatti auf ihrer Tötung. Er hatte verlangt, den Termin für die Verhandlung vom 11. Mai auf den 20. April vorzuziehen – doch das Verwaltungsgericht lehnte das ab. Der Tierschutzverband LAV hält Gaias Tötung wegen ihrer Gefangennahme für unnötig. Er fordert Fugatti auf, „die Überführung des Bären in das von der Vereinigung identifizierte Schutzgebiet im Ausland zu organisieren“. Gaias Mutter Jurka – auch Mutter des Bären Bruno, der 2006 in Bayern erschossen wurde – war 2010 eingefangen worden, da sie Menschen zu nahe kam. Sie lebt heute in einem Tierpark im Schwarzwald.