Illegale Müll-Geschäfte

von Redaktion

Strafbefehl für Wurzer-Inhaber – Kreise prüfen Zusammenarbeit

Eitting – Illegale Machenschaften bei der Wurzer Umwelt GmbH: Wie Recherchen unserer Zeitung ergaben, erließ das Amtsgericht Erding vergangenen November auf Antrag der Staatsanwaltschaft Landshut einen Strafbefehl gegen Wolfgang Wurzer, der bis 2021 Geschäftsführer war und heute mit seinem Vater Franz Eigentümer der Firma ist. Wurzer akzeptierte den Strafbefehl über eine Freiheitsstrafe von zehn Monaten auf Bewährung und die Rückzahlung von Erträgen aus illegalen Geschäften in Höhe von einer halben Million Euro. Die zahlt Wurzer aus seinem Privatvermögen. Im Strafbefehl ist die Rede von unerlaubtem Betreiben von Anlagen in zehn Fällen, illegalem Umgang mit Abfällen und von wettbewerbsbeschränkender Absprache bei Ausschreibungen. Diese Manipulation bestreitet Wurzers Anwalt aber.

Die Wurzer Umwelt GmbH hat 400 Angestellte und arbeitet mit mehreren oberbayerischen Landkreisen und Gemeinden zusammen. Alleine der Kreis Erding – in Eitting steht das Betriebsgelände – hat mehrere Verträge mit Wurzer. Dazu gehört die Verwertung von Biomüll, Sammlung und Verwertung von Grüngut, unbehandelten Hölzern, Sperrmüll, behandelten Holzabfällen. Außerdem geht es um Folien und Hartkunststoffabfälle sowie die Zerkleinerung von holzigen Gartenabfällen.

Die Staatsanwaltschaft war über einen Hinweisgeber auf das Unternehmen aufmerksam geworden. Die Ermittlungsakte umfasst sieben Umzugskartons mit insgesamt 32 Bänden Akten. Vor rund zweieinhalb Jahren sorgte eine Razzia für Aufsehen. Über 100 Beamte des Landeskriminalamts und der Staatsanwaltschaft Landshut waren im Einsatz. Der Bayerische Rundfunk berichtete damals, die Firma könnte über mehrere Jahre asbesthaltigen Abfall, Klärschlamm und belastetes Altholz falsch gelagert oder entsorgt haben. Zudem sollen laut BR Entsorgungsanlagen nicht ordnungsgemäß genutzt und Kapazitäten überschritten worden sein. Die Staatsanwaltschaft ermittelte auch gegen sieben weitere Mitarbeiter. Die Verfahren gegen sie stellten die Landshuter Ermittler jedoch ein. Über den akzeptierten Strafbefehl berichtete zunächst die „SZ“.

Wolfgang Wurzer, der seinen Posten als Geschäftsführer knapp ein Jahr nach der Razzia abgegeben hatte, hat sich laut Strafbefehl mit einem vermeintlichen Mittäter aus dem Abfallbereich abgesprochen, gegen den die Staatsanwaltschaft noch ermittelt. Sie stützt sich auf einen Chatverlauf aus dem Jahr 2020. Wurzers Anwalt hält dagegen: Es habe keine wettbewerbswidrige Absprache gegeben. Man habe „äußerst umfangreiche Umstrukturierungsmaßnahmen in personeller und organisatorischer Hinsicht vorgenommen“. Und: Man habe „von Anfang an mit der Staatsanwaltschaft Landshut umfassend kooperiert“.

Wie gehen die Kommunen, die mit der Wurzer GmbH zusammenarbeiten, mit der Sache um? Aus dem Erdinger Kreistag gibt es vereinzelte Stimmen, die von einem erschütterten Vertrauensverhältnis sprechen. „Selbstverständlich werden wir das prüfen“, sagte Landrat Martin Bayerstorfer unserer Zeitung. Zum aktuellen Zeitpunkt sei es aber noch schwierig, Genaueres zu sagen. Unter anderem wollen auch die Landkreise Ebersberg, Freising und Dachau ihre Kooperationen prüfen. Auch einige Kommunen im Landkreis München sind betroffen. M. SCHWARZKUGLER

100 Beamte bei der Razzia

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