Mittenwald/München – Ab Mai will Stefan Müller, Hüttenwirt der Hochland-Hütte bei Mittenwald, aufsperren. Zumindest an den Wochenenden. Doch als er am Sonntag mit seiner Frau Birgit hinauf zur Hütte auf gut 1600 Metern wollte, um nach dem Rechten zu sehen, standen die Wirtsleute zum Teil brusthoch im Schnee. „70 Zentimeter Neuschnee“ sind laut Stefan Müller zuletzt gefallen. „Das ist schon heftig viel Schnee.“ Und das, obwohl die erste Aprilhälfte bereits rum ist. Stefan Müller packte die Schneefräse aus und bahnte sich einen Weg durch die weißen Massen.
Vom Frühling ist in Oberbayern aktuell noch wenig zu sehen. Und doch ist er im Anmarsch und beschert uns am Samstag sogar Biergartenwetter. Guido Wolz vom Deutschen Wetterdienst prognostiziert bis zu 22 Grad und viel Sonnenschein. Doch bis dahin kommen weiterhin die dicken Jacken zum Einsatz. In den nächsten Tagen wird es noch einmal richtig frisch.
Eine Nord-Ost-Strömung sorgt aktuell dafür, dass ziemlich kalte Luft nach Bayern gelangt. Am Mittwoch bringt zudem ein sogenannter Kaltlufttropfen, das ist ein Tief, das sich vor allem in der Höhe abspielt, einen weiteren Schub kalter Luft zu uns. Für München rechnet Meteorologe Wolz maximal mit 13 Grad, am Donnerstag wird es sogar noch frischer, höchstens zehn Grad. Dazu kommt Regen, zum Teil sogar ziemlich kräftiger Regen. Vor allem am Mittwochnachmittag und am Donnerstag wird es stellenweise richtig schütten. Die Schneefallgrenze, die am Mittwoch bei 1000 bis 1200 Meter liegt, wird in der Nacht auf Donnerstag auf bis zu 700 Meter sinken. „Es kann gut sein, dass sich frühmorgens bis ins Tal runter Schneeflocken unter den Regen mischen“, vermutet Guido Wolz. Zehn Zentimeter Neuschnee würden ihn in höheren Lagen nicht wundern.
Doch dann wandert jener Kaltlufttropfen nach Westen ab – „und dann wird es deutlich milder“, sagt Guido Wolz. Schon am Freitag rechnet er bayernweit mit bis zu 18 Grad, allerdings wird es da noch etwas regnen. Die Chancen auf ein wenig Sonne stehen aber auch am Freitag recht gut. Und am Samstag wird es nach aktueller Vorhersage sonnig und warm. „Richtig frühlingshaft“, sagt Guido Wolz. Doch schon am Sonntag wird es wieder kühler, ein neues Tief ist im Anmarsch.
Und so wird der April statistisch gesehen wohl eher zu den kälteren seiner Art zählen. Wolz vergleicht dafür die Temperaturen der Vergleichsmonate bis 1961. Er sagt: „Aktuell ist es zu kalt.“ Aber das komme immer mal wieder vor, zuletzt 2021 – da war es im Mittel sogar noch kälter. Und manchmal ist der April auch ein Wonnemonat: Vor drei Jahren war es Mitte April sogar 25 Grad warm. CARINA ZIMNIOK