Brezn, Berge und Biergärten haben Astrid Pellengahr in letzter Zeit am meisten gefehlt. Ganz abgesehen von ihrem Mann und ihrer Tochter. Die promovierte Volkskundlerin hat die vergangenen zwei Jahre das Landesmuseum Württemberg in Stuttgart geleitet. Beruflich eine bereichernde Zeit, sagt sie. Aber Heimat ist eben Heimat. „Und die hat nicht nur eine räumliche, sondern auch eine soziale Dimension.“ Daher freut sich die 55-Jährige umso mehr, wieder „heimzukommen“.
Endlich wieder bei der Familie in München-Neuhausen wohnen, auf die Münchner Hausberge kraxeln, durchs Oberland radeln – und Obazdn im Biergarten bestellen. „Auch Kulinarik ist Heimat“, sagt Pellengahr und lacht. Und daher fährt sie die nächsten Wochen samt einem Korb voller Brezn durch ganz Oberbayern, um sich vorzustellen – als neue Bezirksheimatpflegerin und Leiterin der Kultur-, Bildungs- und Museenabteilung des Bezirks Oberbayern. Sie vereint erstmals beide Ämter in einer Person und ist somit Nachfolgerin von Norbert Göttler und Elisabeth Tworek.
Im Bauernhausmuseum Amerang, im Freilichtmuseum Glentleiten, in der Johann-Nepomuk-von-Kurz-Förderschule in Ingolstadt, in der Schule für Holz und Gestaltung in Garmisch-Partenkirchen und im Zentrum für Trachtengewand in Benediktbeuern verteilt sie Brezn. Alles Einrichtungen des Bezirks Oberbayern. Und es warten noch viele mehr, vor allem im sozialen Bereich.
„Sammlungen wie die der historischen Trachten in Benediktbeuern sind für mich das kulturelle Gedächtnis Oberbayerns“, sagt Pellengahr. Zentren wie diese will der Bezirk weiter ausbauen und auch zu Orten für kulturelle Veranstaltungen machen. So wie das Zentrum für Volksmusik, Literatur und Popularmusik in Bruckmühl.
„Langfristig will ich das oberbayerische Kulturerbe auch im digitalen Raum sichtbar machen“, sagt Pellengahr. In fünf bis zehn Jahren könnte also etwa der Trachtenschatz in Benediktbeuern virtuell bestaunt werden. So bleibt Oberbayerns Kulturerbe auch für die nächsten Generationen interessant – und damit auch erhalten. „Kultur und Wandel gehören zusammen“, sagt Pellengahr. „Ich freue mich auf all meine neuen Aufgaben – Kultur ist wie ein bunter Blumenstrauß.“ CORNELIA SCHRAMM