Handy-Offensive für Schüler

von Redaktion

Bayern plant „1:1-Ausstattung“ an weiterführenden Schulen

VON DIRK WALTER

München – Jeder bayerische Schüler an weiterführenden Schulen soll in absehbarer Zeit mit Smartphone oder Tablet im Unterricht erscheinen. Der Freistaat plane eine „1:1-Ausstattung“, sagte Kultusminister Michael Piazolo (FW) in München. Derzeit läuft ein Pilotversuch an 150 Schulen, der im kommenden Schuljahr auf weitere 100 Schulen aller Schularten ausgeweitet wird. Die Geräte gehören den Schülern, dürfen also auch privat genutzt werden. Es gibt aber einen Zuschuss beim Neukauf – 300 Euro pro Gerät, in Zukunft 400 Euro.

Eine der Versuchsschulen ist das Casimirianum-Gymnasium in Coburg. „Unsere Aufgabe ist es, den Schülern das Handy als Arbeitsgerät – nicht als Spielgerät – nahezubringen“, sagt Schulleiterin Ursula Kick-Bernklau. Der Einsatz digitaler Medien ist Alltag, auch Leistungsnachweise gibt es. So können Schüler Podcasts oder Videos im Fach Englisch erstellen. Auch Schulaufgaben werden digital erstellt. Die Schüler gewöhnen sich nach und nach an den Digital-Einsatz im Unterricht.

Sein Tablet habe eine Stifteingabe, berichtete der Neuntklässler Felix bei einem Pressetermin in München, er schreibe deshalb digital mit – statt der analogen Hefteinträge. Ab dem Schuljahr 2024/25 sollen nach Piazolos Vorstellung alle weiterführenden Schulen „auf dem Weg zur 1:1-Ausstattung“ sein. Das kostet 150 Millionen Euro im Jahr. Das Arbeiten mit Notebook oder Tablet müsse „zur neuen Normalität“ an den Schulen werden.

Noch Neuland sind allerdings digitale Schulbücher – sie gibt es auch, aber eben zusätzlich zu den normalen dicken Wälzern, die jeder Schüler auch in Coburg ausgehändigt bekommt. Kultusminister Michael Piazolo will hier nicht voranpreschen: „Ich will kein Datum nennen, wann es das analoge Schulbuch nicht mehr gibt“, sagte er. Ein Grund: Jedes Schulbuch werde vom Ministerium geprüft und amtlich freigegeben. Bei digitalen Ausgaben könnten die Verlage jederzeit Aktualisierungen vornehmen – das sei schwierig zu steuern. An den Grundschulen sei das Schulbuch im alten Stil ohnehin unverzichtbar.

Unzufrieden zeigte sich der Minister mit der Verfügbarkeit von schnellem Internet für Schulen – eine Klage, die es schon in der Corona-Zeit oft gab. Es funktioniere immer noch „nicht überall so, wie wir uns das wünschen“. Nicht selten reiche es nicht „für fünf oder zehn Klassen gleichzeitig im Netz“. Piazolo weiter: „Da müssen wir draufsatteln.“

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