Abitur: Bitte nicht so wie in NRW

von Redaktion

Nach der Download-Panne: Schulleiter warnen vor digitaler Übermittlung der Aufgaben

VON DIRK WALTER

München – Eine Abiturpanne in Nordrhein-Westfalen schlägt Wellen bis nach Bayern. Die Vereinigung der bayerischen Gymnasialdirektoren warnt davor, dass die Abituraufgaben (wie in NRW geschehen) künftig digital übermittelt werden. „Wir haben sehr große Bedenken“, sagt Walter Baier, Landesvorsitzender der Vereinigung.

Der sogenannte Download-Infarkt an Rhein & Ruhr hat das dortige Schulministerium gehörig unter Druck gesetzt. Am vergangenen Mittwoch standen in NRW die Abi-Klausuren in Biologie, Chemie, Ernährungslehre, Informatik, Physik und Technik an. Die Abituraufgaben werden in NRW digital übermittelt, müssen von den 900 Schulen heruntergeladen und ausgedruckt werden. Doch der Download funktionierte nur bei einem Drittel der Schulen – was die zuständige Ministerin Dorothee Feller (CDU) zum Ärger von Lehrern und Schülern erst am Dienstag um 20.32 Uhr kommunizierte. Die Klausuren mussten auf Freitag verschoben werden. Lehrerverbands-Chef Heinz-Peter Meidinger spricht von einer „peinlichen Panne“ und einem Rückschlag für den Plan eines Abiturs mit bundesweit gleichen Aufgaben: „Nicht auszudenken, welche Folgen die Panne gehabt hätte, wenn sie ein Fach wie Mathematik mit bundesweit gleichen Aufgabenbestandteilen betroffen hätte.“ Dann hätte das Abi bundesweit verschoben werden müssen. Mathematik wird bundesweit am 3. Mai geschrieben.

In Bayern beginnt für 35 000 Schüler das Abitur am nächsten Mittwoch mit der Prüfung in Deutsch. Am Freitag ist die Fremdsprache angesetzt, danach Mathe, später die die mündlichen Prüfungen in zwei Fächern. Eine Panne wie in NRW sei ausgeschlossen, versichert das bayerische Kultusministerium. Denn anders als in NRW werden die Aufgaben hier in den Tagen vorher unter größter Geheimhaltung „in Papierform“ an sogenannte Verteiler-Schulen verschickt. Von diesen Zwischenstationen holen sie die Schulleiter ab – wann und wie, ist vertraulich. Walter Baier, Schulleiter am Gymnasium Bruckmühl im Kreis Rosenheim, darf nur sagen, dass er irgendwann „demnächst“ ein Paket mit den Aufgaben in Empfang nehmen und „sicher“ – vermutlich in einem Tresor – verwahren wird.

„Aufgrund unserer Vorkehrungen, die wir auf Basis unserer Erfahrungen und Rückmeldungen der Schulen stetig weiterentwickeln“, gehe man „von einer erfolgreichen Durchführung“ des Abiturs 2023 aus, sagt ein Ministeriumssprecher.

Zwischenfälle sind freilich auch in Bayern nie ganz ausgeschlossen, wie ein Vorfall am Kaiser-Heinrich-Gymnasium Bamberg 2020 zeigte. Dort brachen drei Schüler den Tresor des Direktors auf – Kuverts mit Deutsch-, Englisch- und Latein-Abiaufgaben fielen ihnen in die Hände. Für das Abitur in Bayern mussten daraufhin Ersatz-Aufgaben verschickt werden. Just aufgrund dieses Vorfalls gab es Überlegungen, auch in Bayern auf digitale Übertragung umzustellen. Das werde „seit zwei Jahren geprüft und erprobt“, so das Ministerium. Bisher werden nur Audiodateien etwa für die Hörverstehensprüfung in den Fremdsprachen digital versandt. Nach der Panne in NRW geht Schulleiter Baier davon aus, dass es keine Ausweitung des Download-Verfahrens in Bayern geben wird. „Uns wäre es am liebsten, wenn es beim bisherigen Prozedere bleibt.“

Auch in Bayern Download-Pläne

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