Olympia-Attentat wird erforscht

von Redaktion

Innenministerin Faeser setzt Kommission mit acht Historikern ein

München/Berlin – Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) hat eine internationale Kommission zur Aufarbeitung des Münchner Olympia-Attentats von 1972 eingesetzt. Acht Forscherinnen und Forscher sollen eine umfassende wissenschaftliche Darstellung und Bewertung vornehmen, wie das Ministerium mitteilte. Die Einsetzung der Kommission ist Teil einer Vereinbarung der Bundesregierung mit den Hinterbliebenen der Opfer, die im vergangenen Jahr zum 50. Jahrestag des Überfalls auf die israelische Mannschaft geschlossen worden war. Drei Millionen Euro sind dafür vorgesehen.

Am 5. September 1972 hatten palästinensische Terroristen Mitglieder der israelischen Mannschaft als Geiseln genommen. Am Ende starben elf Israelis, ein bayerischer Polizist und fünf Terroristen. Die Hinterbliebenen aus Israel kämpften jahrzehntelang um Entschädigungen, eine Entschuldigung und eine historische Aufarbeitung. Eine Einigung, unter anderem über 28 Millionen Euro Entschädigung, kam erst wenige Tage vor dem 50. Jahrestag zustande.

Innenministerin Faeser nannte es beschämend, „dass quälende Fragen viel zu lange offengeblieben sind“. Die Kommission werde auch die Geschichte vor und nach dem Attentat grundlegend untersuchen, sagte sie.

Ankie Spitzer aus dem Kreis der Angehörigen der Attentatsopfer erklärte, die Aufarbeitung werde „hoffentlich zu historischer Gerechtigkeit beitragen“. Das Institut für Zeitgeschichte München-Berlin soll ein begleitendes Forschungsprojekt durchführen. Bei den Mitgliedern der Kommission handelt es sich um Historikerinnen und Historiker von Unis in Israel, Deutschland und Großbritannien, darunter die Münchner Forscher Michael Brenner und Margit Szöllösi-Janze. Zunächst dürften umfangreiche Archiv-Recherchen anstehen. Für den Herbst ist eine erste Tagung geplant.  mm/epd

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