Ausflugstrubel ohne Bären-Angst

von Redaktion

VON JACQUELINE MELCHER

Oberaudorf – Schon hat der Bär Spuren hinterlassen. Und wieder in den Landkreisen Miesbach und Rosenheim. Gesichtet wurde das Tier noch nicht. Unklar ist auch noch, ob es sich um denselben Bären handelt, der vergangene Wochen im Kreis Rosenheim drei Schafe getötet hat. Im Grenzgebiet beider Landkreise zu Österreich wurden am Samstag zwei weitere tote Schafe und ein totes Reh entdeckt. Bereits am Freitag meldete das Landesamt für Umwelt im Berchtesgadener Land ebenfalls zwei tote Schafe. Alle Kadaver wurden begutachtet, es gebe keine Hinweise, dass ein Bär sie getötet hat – vielmehr deutet alles auf einen Wolf oder einen Hund hin. Vor dem schönen Frühlingstag am Samstag warnten die Behörden Wanderer und Skitourengeher um erhöhte Vorsicht in der Grenzregion. Wer sich in der freien Natur aufhalte, soll die Verhaltensregeln im Umgang mit Wildtieren beachten.

Etliche Menschen nutzten das Frühlingswetter am Samstag für einen Ausflug in die Region. Besorgt wegen des Bären waren die wenigsten. „Der Schock hat sich gelegt“, sagt Simone Braun, Wirtin des Berggasthofs Bichlersee in der Gemeinde Oberaudorf im Kreis Rosenheim. Auf der Terrasse ihres Gasthofs sind die meisten Tische belegt, Radfahrer, Wanderer und Motorradfahrer gönnen sich bei frühlingshaften Temperaturen und Sonnenschein eine Pause. Auf einer nahe gelegenen Weide hatte der Bär zwei Schafe gerissen und ein drittes verletzt, das daraufhin getötet werden musste.

„Am Tag nach dem Vorfall war Riesenaufregung, aber am nächsten Tag war auch wieder alles in Ordnung“, sagt Braun. Auch bei ihren eigenen Schafen sei der Bär vergangene Woche vorbeigekommen, ist sie sich sicher. Die Tiere seien zwar nicht verletzt worden, sie hätten sich aber ängstlich verhalten und den Stall einige Zeit nicht mehr verlassen wollen. „Es war ein bisschen langwierig, bis wir die Schafe wieder im Freigehege hatten, aber es geht mittlerweile wieder“, sagt die Gastwirtin.

Auch die Ausflügler lassen sich den schönen Frühlingstag nicht wegen eines Bären entgehen. „Respekt habe ich schon, aber keine Angst“, sagt Thomas Breitenauer, der hier zum Wandern unterwegs ist. Besondere Vorsichtsmaßnahmen hätten er und seine Begleitung nicht ergriffen. „Wenn man weiß, es ist eine Bärengegend, dann ja. Aber wegen einem Bären werde ich jetzt kein Bären-Spray einpacken.“

Ein gewisses Unbehagen bleibt bei manchen aber doch. „Wir waren auf dem Weg zu einer Höhle, und da haben wir uns schon überlegt, ob das so eine gute Idee ist“, sagt eine Wanderin. Ansonsten habe sie sich aber nicht gefühlt als wäre sie in Gefahr. „Ich hatte überhaupt keine Bedenken“, sagt auch Volker Niggel, der zu einem Oldtimertreffen in Oberaudorf ist. „Der Bär geht ja nicht auf Menschen los.“

Andere sind sich da nicht ganz so sicher. „Wir haben bei uns im Gasthof gefragt, ob man hier angesichts der Situation bedenkenlos wandern gehen kann, vor allem mit Kindern“, sagt eine Frau. Ihnen sei aber versichert worden, das sei „gar kein Problem und der Bär bestimmt schon wieder weg“.

Den Tagesgästen seien die Bärennachweise „mehr oder weniger egal“, sagt Braun. „Da sind eventuell sogar ein paar Schaulustige dabei, die sagen, jetzt schauen wir mal, wo der Bär so steppt.“ Bei den Langzeiturlaubern, die in dem Gasthof an der Grenze zu Tirol Wanderurlaub machen wollen, seien die Sorgen schon größer. „Wir haben einige Anrufe gehabt, die gefragt haben: Wie ist die Situation? Ist es gefährlich? Können wir wandern?“, sagt Braun. „Das wird sich erst noch rausstellen, ob das auch negative Auswirkungen auf den Tourismus hat.“

Nach Einschätzung von Uwe Friedel, Experte für Wolf und Bär beim Bund Naturschutz, müssten die Menschen wegen des Bären nicht auf Freizeitaktivitäten verzichten. Sein Rat: auf den Wegen bleiben, Hunde anleinen, keine Essensreste zurücklassen und mit wachen Sinnen unterwegs sein.

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