„Für viele Züchter geht es um ihre Existenz“

von Redaktion

Axel Bartelt wird neuer Präsident der bayerischen Fischer – Klimawandel und Fischotter bereiten ihm Sorgen

Bayerns Fischer haben am Samstag einen neuen Präsidenten gewählt. Alex Bartelt, der ehemalige Regierungspräsident der Oberpfalz, tritt die Nachfolge von Albert Göttle an. Der 66-jährige Jurist ist seit einem halben Jahrhundert leidenschaftlicher Fischer. Im Interview spricht er über die Herausforderungen, die auf die Fischer zukommen. Der Fischotter ist nur eine ihrer großen Sorgen.

Seit wann sind Sie leidenschaftlicher Fischer?

Seit frühester Kindheit. Mein Großvater und mein Vater haben mich anfangs „halb legal“ mitgenommen. Mit 15 habe ich dann den Fischereischein gemacht. Seitdem ist das meine Leidenschaft.

Wie steht es um das Ansehen der Fischer in der Öffentlichkeit?

Viele Menschen wissen, dass Fischer nicht nur einem Hobby nachgehen, sondern dass sie auch Hege und Pflege betreiben. Das Ansehen könnte aber sicher noch größer werden – das ist mir ein großes Anliegen. Einige haben noch das Bild vom Angler mit Bierflasche in der Hand im Kopf, der am See Müll zurücklässt. Solche schwarzen Schafe sind die Ausnahme. Die meisten sind Naturliebhaber und -schützer, sie setzen sich dafür ein, dass die Gewässer in Bayern in einem guten Zustand sind.

Andere Verbände haben Nachwuchssorgen, bei Ihnen steigen die Mitgliederzahlen konstant. Wie schaffen Sie das?

Unsere Jugendarbeit ist engagiert und gut – ich glaube, das ist der Weg, um jungen Menschen die Fischerei und den Naturschutz näher zu bringen. Bei mir zu Hause im Chiemgau hat die Jugend dieses Jahr geholfen, ein paar Tausend Seeforelleneier auszubrüten. Mir ist das Herz aufgegangen, als ich die Blicke der Kinder gesehen habe, als sie ersten Tiere in Freiheit entlassen haben. So lernen sie, wie wichtig die Natur und alle Lebewesen für uns sind.

Der Fischereiverband arbeitet eng mit dem Bund Naturschutz und dem Landesbund für Vogelschutz zusammen. Gibt es dabei nicht immer wieder Konfliktthemen?

Natürlich haben wir zum Teil gegensätzliche Interessen. Doch letztendlich geht es uns allen um den Erhalt der Natur. Wir kämpfen alle für eine intakte Umwelt und müssen möglichst große Schnittmengen finden, um gemeinsam bei Politik und Behörden Gehör zu finden.

Der Fischotter ist aber bestimmt ein Streitthema…

Selbst dabei hat nach meinem Eindruck ein gewisses Umdenken stattgefunden. Schließlich frisst der Fischotter auch Eier bodenbrütender Vögel, Amphibien und Fischlaich. Wir brauchen dringend eine sichere Rechtsgrundlage zur Regulierung des Fischotterbestands. Uns geht es nicht darum, dass er getötet wird, auch Umsiedlungen ins Ausland oder in umzäunte staatliche Wildparks könnten eine Lösung sein. Es geht darum, die seit Jahren ungehinderte Verbreitung eines sehr hungrigen Raubtiers einzudämmen. Bisher genießt der Fischotter in Bayern absoluten Schutz, deshalb gibt es inzwischen mehr als tausend dieser Tiere bei uns. Jeder frisst pro Tag etwa anderthalb Kilo Fisch. Ich habe mit vielen Karpfenzüchtern gesprochen, für sie geht es um ihre Existenz. Wenn ein Fischotter einen ihrer Teiche heimsucht, hinterlässt er ein grauenhaftes Bild, die Fische verenden oft qualvoll. Bei anderen Tierarten wäre ein größerer Aufschrei da, bei Fischen aber leider nicht.

Auch der Klimawandel setzt den Fischen zu. Viele Tiere verlieren durch die heißen, trockenen Sommer ihre Lebensräume. Was würde ihnen helfen?

Die heißen Sommer und die geringen Niederschläge sind ein riesiges Problem. Dieses Thema wird uns herausfordern, Patentlösungen gibt es nicht. Vergangenen Sommer sind die Wassertemperaturen extrem angestiegen, in der Isar auf bis zu 25 Grad. Wir fürchten massive Auswirkungen für die Fischbestände.

Was wünschen Sie sich von der Politik?

Dass die Fischer mehr Gehör finden. Es ist schon einiges passiert, wofür wir dankbar sind. Zum Beispiel ist der Topf für Schadensersatzleistungen bei Fischotterschäden deutlich angehoben worden. Aber es geht nicht nur ums Geld. Teichwirte und Züchter wollen in erster Linie ihren Beruf ausüben. Fischer tragen ihre Anliegen sehr defensiv vor. Ich möchte ihr Sprachrohr, ihr Anwalt, aber auch ein Brückenbauer sein. Mein Netzwerk und meine guten Kontakte in die Politik und die Behörden sind dabei sicher eine Hilfe.

Wasserkraft ist bei der Energiewende ein großes Thema. Wie stehen Sie zu einem möglichen Ausbau?

Alles muss in Balance mit der Natur passieren. Wir Fischer wollen unseren Beitrag leisten, wir spüren den Klimawandel ja sehr deutlich. Ich halte es aber für den falschen Weg, auf mehr Kleinkraftwerke in Bayern zu setzen und damit Gewässerverläufe zu schädigen. Außerdem muss man bedenken, dass alle kleinen Kraftwerke zusammen nur neun Prozent des Wasserkraftstroms in Bayern erzeugen. Viel mehr Potenzial steckt darin, die großen Kraftwerke an Donau, Inn und Isar zu modernisieren.

Interview: Katrin Woitsch

Artikel 7 von 11