München – Bayerns Landtagspräsidentin Ilse Aigner (CSU) hat die Bundesumweltministerin Steffi Lemke und den Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir (beide Grüne) mit einem Brief darum gebeten, den Schutzstatus des Wolfs herabzusetzen. Erst am Wochenende waren in ihrem Wahlkreis Miesbach und im Nachbarlandkreis Rosenheim zwei gerissene Schafe und ein totes Reh gefunden worden (wir berichteten). Der Zustand der Tiere deutete darauf hin, dass sie Opfer eines Wolfs geworden sein könnten.
Neben dem Wolf bedrohe auch der Bär die Existenz der Weidelandschaft – einem komplexen Lebensraum mit vielen streng geschützten Arten, betont Aigner in ihrem Schreiben. „Die Biodiversität ist in Gefahr, wenn der Bestand der großen Beutegreifer nicht endlich reguliert wird. Dieses Szenario liegt nicht in der Zukunft, es beginnt jetzt.“
Immer mehr Almbauern hätten Angst, ihr Vieh auf die Almen zu treiben. Das Risiko, dass die Tiere durch Wolf oder Bär sterben, sei ihnen zu groß. Aigner konzentriert sich in ihrem Brief zwar auf den Wolf, bittet die Bundesminister aber darum, auch das Bären-Management im Blick zu haben.
„Wolf und Almwirtschaft gemeinsam, das funktioniert nicht mehr“, betont sie. Herdenschutzmaßnahmen wie Zäune seien in dem alpinen Gelände nicht realisierbar – und auch wegen der Tagestouristen nicht praktikabel. Wirtschaftlich können kleine Betriebe die finanziellen Aufwendungen nicht stemmen.
In Brandenburg gebe es bereits mehr Wölfe pro Quadratkilometer als in Alaska oder Sibirien, schreibt Aigner. „Es ist schwer nachvollziehbar, dass nicht längst Maßnahmen zur Regulierung des Bestandes ergriffen werden.“ Andere Länder wie Schweden seien in dieser Hinsicht deutlich weiter, dort werden Wölfe bis zu einem stabilen Bestand von 400 bejagt. Die Regulierung erfolgt über Abschussquoten.
„Die ökologische Vielfalt der Almen hat zu wenig Lobby, der Wolf offenbar zu viel“, betont Aigner. „Unsere Landwirte sind verzweifelt. Sie wollen nicht aufgeben, was über viele Generationen ihr Lebenswerk ist.“ Aigner fordert daher, den Schutzstatus des Wolfs herabzusetzen und im Umgang mit großen Beutegreifern auf Ausgewogenheit und Praktikabilität zu setzen. mm