„Neben Söder wirkt jedes Chamäleon farblos“

von Redaktion

INTERVIEW Django Asül über seine Rede beim Maibockanstich im Münchner Hofbräuhaus

München – Nach drei Jahren Pause darf Django Asül wieder ran. Beim Maibockanstich (heute 20.15 Uhr im BR) im Münchner Hofbräuhaus knöpft sich der 51-jährige Kabarettist die bayerische Landespolitik vor. Ein Gespräch über ein wandelndes Chamäleon, Fundamentalopposition in der Staatsregierung und die Frage, wie viel Moral eine Maibockrede verträgt.

Der Landtagswahlkampf läuft schon auf Hochtouren. Welcher Politiker hat sich da bislang am ehesten eine humoristische Watschn verdient?

Diesmal hat bei der Vorbereitung besonders viel Spaß gemacht, dass sich nicht alles auf den Ministerpräsidenten konzentriert. Die Bandbreite wird immer größer. Welches Bundesland hat schon das Privileg, einen stellvertretenden Ministerpräsidenten zu haben, der zeitgleich Regierungsarbeit und Fundamentalopposition betreibt – je nach Tagesform.

Hubert Aiwanger poltert auf Twitter gegen alles und jeden, der Ministerpräsident tingelt durch Bayern und übernimmt Tierpatenschaften. Viel Stoff für eine Maibock- rede, oder?

Als ich dachte, meine Rede ist fertig, habe ich mir dieses Monstrum angeschaut – und festgestellt, dass ich es um die Hälfte runterkürzen muss. Insofern: Ein Kompliment an die bayerische Spitzenpolitik für all das Material, das sie mir geboten hat. Übrigens nicht nur die Staatsregierung, auch die Opposition hat fleißig abgeliefert – wenn auch häufig unfreiwillig.

2019 haben Sie gesagt: „Neben dem Söder ist ein Chamäleon bestenfalls einfarbig.“ Damals war Söder merklich ergrünt. Welche Farbe hat er jetzt?

Mittlerweile wirkt ein Chamäleon neben unserem Ministerpräsidenten nicht nur einfarbig, sondern ganz und gar farblos. Allein wenn man daran denkt, dass Söder vor einigen Jahren als Umweltminister noch mit Rücktritt gedroht hat, falls das Atom-Aus nicht sofort besiegelt wird. Und jetzt? Steht er kurz vor dem Rücktritt, wenn’s mit der Atomkraft nicht weitergeht. Das ist – nennen wir es mal – variabel.

Undankbar für Sie ist doch, dass die restlichen Kabinettsmitglieder neben Söder und Aiwanger wie Statisten wirken. Oder haben Sie auch da was gefunden?

Ich finde immer was. Aber es soll ja auch Minister und Ministerinnen geben, die einfach ihren Job machen – was man sich schwer vorstellen kann, wenn man sich so auf Söder und Aiwanger fokussiert. Insofern kann es auch ein Kompliment sein, wenn man es nicht in die Rede schafft, weil man seine Arbeit unauffällig, aber gut gemacht hat. Aber keine Sorge: Mir ist bei der Stoffsammlung sicher nicht langweilig geworden.

Wahlkampf in Bayern, dazu prügeln die Ampel-Partner im Bund gegenseitig aufeinander ein. Bei so viel politischer Polarisierung – kann Kabarett da noch eins draufsetzen?

Ich sehe meine Aufgabe weniger darin, noch eins draufzusetzen, sondern das ganze Geschehen für die Weltöffentlichkeit nachvollziehbar zu ordnen. Das Aufeinanderlosgehen beherrschen die Politiker wesentlich besser als ich, da muss ich keine Eulen nach Athen tragen. Meine Aufgabe ist, genau hinzuschauen, zu sezieren und daraus ein bajuwarisch-komisches Ereignis mit Substanz zu machen.

Ihr Pendant am Nockherberg, Maxi Schafroth, hat nach seiner Fastenpredigt ziemlich auf den Deckel bekommen. Sie haben das auch schon erlebt. Fürchtet man solche Reaktionen beim Schreiben der Rede?

Auf dem Nockherberg 2007 durfte ich quasi die Stoiber-Verabschiedungsrede halten. Und nach meiner Abberufung war die CSU ja offenbar so sauer, dass mich der damalige Finanzminister Huber schon fast genötigt hat, den Maibockanstich anzupacken. Also: Ich mache mein Ding. Ich gehe nie davon aus, dass alle Juhu schreien. Aber ich gehe auch nicht davon aus, dass alle sagen, das war jetzt gar nix. Und deshalb sehe ich auch diesmal keinen Anlass für Zweifel im Vorfeld.

Wie viel Schärfe verträgt eine Maibockrede? Und wie viel Moral?

Einem Politiker Moral beibringen? Wer meint, das zu schaffen – das wäre ja fast schon vermessen. Und der Schärfegrad richtet sich nach dem, was mir unsere bayerische Politikerkaste so liefert. Insofern, so viel kann ich verraten, besteht keine Gefahr, dass es eine Rede frei von Schärfe wird.

Interview: Dominik Göttler

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