Die Geheimnisse des Maibocks

von Redaktion

Das berühmte Starkbier soll die Stadt München im Jahr 1632 sogar gerettet haben

München – Es hat sich fast wie eine Premiere angefühlt. Nach drei Jahren Pause wegen Corona-Pandemie und Ukraine-Krieg fand gestern Abend der Maibock-Anstich statt. In Münchens wohl berühmtestem Wirtshaus, dem Hofbräuhaus, trafen sich bayerische Polit-Elite und Münchens bessere Gesellschaft unter dem kabarettistischen Vorsitz von Django Asül zu einem süffigen Abend.

Starkes Bier, zünftige Musik und scharfe Sprüche im Hofbräuhaus: Dahinter steht eine lange Geschichte. Das dunkle Starkbier, das hier gefeiert wird, ist ein legendäres Getränk – und man hört deutlich den Stolz der Brauerei. „Der Hofbräu-Maibock ist das erste und älteste Bockbier in München“, sagt Hofbräu-Sprecher Stefan Hempl. Die Worte kommen aus einem Haus, in dem man in Jahrhunderten denkt. 1589 wurde das Hofbräuhaus von Herzog Wilhelm V. gegründet.

Bis zum Jahr 1613 bezog der Hof starkes, dunkles Bier aus dem niedersächsischen Einbeck. Diese Bier-Importe wurden dem Herrscherhaus allerdings auf die Dauer zu teuer – immerhin musste der gesamte Hofstaat damit versorgt werden. Deshalb warb Maximilian I. 1612 einen Braumeister aus Einbeck an, Elias Pichler. Gut zwei Jahre dauerte es, bis Pichler ein Bier herstellte, das auch den Münchnern schmeckte: 1614 präsentierte er das erste Münchner Bier nach „Einbeckisch“ oder „Ainpöckhischer“ Art, den Maibock. „Ainpökhisch“-Bier wurde zum „Einbeck“, später zum „Oanbock“ beziehungsweise „Bock“. Da das Bier überwiegend im Mai ausgeschenkt wurde, folgte schließlich die heute gängige Bezeichnung „Maibock“. „Mit dem Tier hat der Maibock also nichts zu tun“, sagt Hempl – auch wenn von Anfang der 1950er-Jahre bis in die 1980er-Jahre ein echter Bock Probe trank. Tierschützer setzten dem schließlich ein Ende.

Auch schon vor Markus Söder und überhaupt vor den Zeiten, in denen es in Bayern einen Landtagswahlkampf gab, hatte der Maibock eine politische Dimension. Im Jahr 1632 soll er sogar die Stadt München gerettet haben. Die Schweden hatten im 30-jährigen Krieg die Stadt besetzt. Sie ließen sich überreden, sie zu verschonen – wenn sie dafür 1000 Eimer Bier, davon 361 Eimer Maibock aus dem Hofbräuhaus, erhalten würden. Eine ordentliche Menge: Ein Eimer entsprach damals 64 Litern. Mit 64 000 Litern Bier zogen die Schweden also von dannen, verzichteten auf Plünderung und Brandschatzen.

Erst ab 1638 durfte das Bockbier auch an gewöhnliche Bürger ausgeschenkt werden. Davor war es dem Herzog und seinem Hofstaat vorbehalten. Der Maibock-Anstich, wie wir ihn heute kennen, wurde 1910 eingeführt: von Hofbräu-Wirt Karl Mittermüller, als „Spektakel für die Großkopferten“.

Das Hofbräuhaus ist, nachdem es in Herzogs-, Kurfürst- und Königshand war, 1852 auf den bayerischen Staat übergegangen. Daher steht die jeweilige Regierung dem Hofbräuhaus vor – vertreten durch den Finanzminister. Ihm steht auch der Anstich des Maibocks zu. Heuer hat das Albert Füracker erledigt. Heißt es dann „O’zapft is!“, wird der Maibock ausgeschenkt. Der heurige Bock hat eine Stammwürze über 16 Prozent und einen Alkoholgehalt von 7,2 Prozent. leo

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