München – Ralph Korschinsky geht mit einer Überzeugung durchs Leben: „Wenn man etwas verändern möchte, muss man Teil eines Systems sein.“ Deshalb hat er seinen Namen vor einigen Jahren auf eine Kandidatenliste für die Sozialwahl schreiben lassen. Er wurde gewählt – und ist nun seit 2014 Verwaltungsrat bei der Barmer. Dort gibt es 30 Verwaltungsräte: drei Arbeitgeber-Vertreter, 27 werden – so wie Korschinsky – bei der Sozialwahl gewählt. Im Mai steht wieder eine Wahl an. Der 60-Jährige steht auch dieses Mal wieder auf der Liste der Arbeitsgemeinschaft christlicher Arbeitnehmerorganisationen (ACA), ein Zusammenschluss von christlichen Verbänden. Hauptberuflich ist Korschinsky Geschäftsführer der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung in Bamberg. „Ich wusste, was auf mich zukommt“, sagt er rückblickend.
In seinem Terminkalender stehen nicht nur die zwölf Tage im Verwaltungsrat pro Jahr, sondern auch einige Ausschusssitzungen. Dort werden Themen beraten und Entscheidungen vorbereitet. Pro Tag bekommt er für sein Engagement 76 Euro, die noch versteuert werden müssen, die Selbstverwalter arbeiten also ehrenamtlich. Das Geld sei für niemanden eine Motivation, sich bei der Sozialwahl auf einer Liste aufstellen zu lassen, sagt er.
Ihm ging es viel mehr darum, Einfluss zu nehmen auf das Gesundheitssystem, es im Sinne der Versicherten weiterzuentwickeln. Die Mitglieder des Verwaltungsrats entscheiden zum Beispiel über Beitragssätze, Leistungen der Krankenkassen, die über die Grundversorgung hinausgehen oder Bonusprogramme. Sie haben zum Beispiel Gestaltungsspielraum bei der Rehabilitationsmaßnahmen. Auch der Vorstand wird vom Verwaltungsrat gewählt.
Rund 52 Millionen Versicherte sind in Deutschland bis Ende Mai wieder zur Sozialwahl aufgerufen. Die Wahlunterlagen werden mit der Post verschickt. Sie wählen die Mitglieder der Verwaltungsräte von gesetzlichen Krankenkassen und Vertreterversammlungen bei Unfall- und Rentenversicherungen.
Wahlberechtigt sind alle Beitragszahler ab 16 Jahren. Nicht nur Vereinigungen wie die ACA stellen für Versicherungsträger Kandidaten-Listen auf, sondern auch Interessengruppen wie der Bauernverband. Er will bei der im Agrarbereich wichtigen Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau mitreden. Bayerns Jäger bei der landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft. Insgesamt werden bei der Sozialwahl 134 Mandate vergeben. Gewählt werden Listen.
„Bei der Sozialwahl ist der Wahlkampf nicht so einfach“, erklärt Korschinsky. Vieles laufe über soziale Medien. Auf den Internetseiten der Träger gibt es beispielsweise Videos der Spitzenkandidaten, in denen sie ankündigen, was die Ziele einer Liste sind. Auch im Mitgliedermagazin der Krankenkassen werden die Kandidaten vorgestellt. „Die deutsche Rentenversicherung zum Beispiel verschickt eine Broschüre“, erklärt Korschinsky.
Etwa 22 Millionen Menschen können bei der Sozialwahl dieses Jahr erstmals auch online abstimmen. Die fünf Ersatzkrankenkassen TK, Barmer, DAK, KKH und die Handelskrankenkasse ermöglichen das ihren Mitgliedern – in der Hoffnung, dass dadurch die Wahlbeteiligung steigt. Bei der letzten Wahl 2017 lag sie bei rund einem Drittel. Auch Ralph Korschinsky hofft, dass sich dadurch mehr Menschen für die Sozialwahl interessieren werden. „Die Wahlbeteiligung wird sich dadurch wohl nicht verdoppeln, aber vielleicht hilft es, dass sich auch viele Jüngere an der Wahl beteiligen“, betont er.