Totes Mädchen in Heim: Mann in Haft

von Redaktion

Polizei geht von Sexualverbrechen aus: 25-Jähriger ist neuer Verdächtiger

VON KATHRIN ZEILMANN

Wunsiedel – Ein zehnjähriges Mädchen ist in einem Kinderheim im oberfränkischen Wunsiedel getötet worden – nun hat der Fall nach mehreren Wochen eine überraschende Wende genommen. Die Polizei hat einen neuen Verdächtigen und geht von einem Sexualverbrechen aus. Ein 25 Jahre alter Mann aus dem Kreis Wunsiedel sitzt in Untersuchungshaft, wie Staatsanwaltschaft und Polizei mitteilten. Es bestehe der Verdacht eines Tötungs- und eines Sexualdeliktes. Bisher stand nur ein elf Jahre alter Junge im Verdacht, an der Tat beteiligt gewesen zu sein. Er lebte wie das Opfer – Lena hieß das Mädchen – in dem Heim in Wunsiedel.

Der nun verdächtige Mann ist am Donnerstag vorläufig festgenommen worden. Ein Abgleich gesicherter Spuren habe eine Übereinstimmung ergeben. Er sei kein Mitarbeiter der Kinderhilfe-Einrichtung gewesen, sagte Matthias Goers, Sprecher der Staatsanwaltschaft Hof, und ließ noch offen, welchen Bezug der Mann zu dem Heim haben könnte. Der Deutsche räumte nach Polizeiangaben den Tatvorwurf bisher nicht ein.

Die rechtsmedizinische Untersuchung des Leichnams hat ergeben, dass das Mädchen durch „Gewalteinwirkung gegen den Hals“ gestorben ist. Zudem hat sich für die Ermittler durch weitere Gutachten der Verdacht eines Sexualdelikts bestätigt.

Bislang wirkte das Verbrechen wie eine mutmaßliche Tat unter Bewohnern der Einrichtung. Parallelen zu ähnlichen Fällen, in denen gleichaltrige Kinder und Jugendliche einander Gewalt angetan hatten, wurden gezogen. Der Verdacht der Tatbeteiligung gegen den Elfjährigen bestehe weiter, so Goers. Der Junge sei schon befragt worden, habe sich aber bislang nicht zur Tat geäußert.

Die zehnjährige Lena war in der Nacht zum 4. April ums Leben gekommen. Am Morgen wurde sie halb nackt in ihrem Bett gefunden. Sie war nach einem Sorgerechtsstreit ihrer Eltern erst wenige Monate im Kinderheim untergebracht. Ob das Heim auch der Tatort war oder ob das Mädchen in das Zimmer gebracht wurde, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft bisher nicht mit. Zum möglichen Tatort mache man keine Angaben, sagte Polizeisprecher Alexander Czech.

Am Morgen des 4. April hatte die Polizei eine natürliche Todesursache schnell ausgeschlossen. Seitdem ermittelt die „Soko Park“ mit 40 Mitarbeitern – und noch immer steht viel Arbeit an: Der genaue Tatablauf müsse ebenso geklärt werden wie die Motivlage. Bisher sei auf dem weitläufigen Areal und in den Gebäuden der Einrichtung umfangreiches Spurenmaterial gesichert worden.

Um die Kinder- und Jugendhilfeeinrichtung gibt es zwar einen Zaun, hermetisch abgeriegelt ist die Anlage aber nicht. Nach Angaben des Trägers betreuen dort etwa 90 Mitarbeiter 90 Kinder und Jugendliche zwischen drei und 19 Jahren.

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