Regensburg – Keiner grantelt so wie er: Weil er auf und abseits der Bühne Dialekt spricht, ist der Kabarettist Gerhard Polt in Regensburg mit der „Bairischen Sprachwurzel“ ausgezeichnet worden. „Wir haben allen Grund, dass wir ein großes Selbstbewusstsein haben mit dieser Sprache. Es ist ein Ozean“, sagt Polt am Samstag im Museum der Bayerischen Geschichte.
Ein wenig leid tut sich allerdings der Laudator Reinhard Wittmann. „Braucht’s des?“, fragt er. Vier Mal hat Wittmann, ein Mingara Metzgasbua und früher Literaturchef beim Bayerischen Rundfunk, schon die Laudatio zur Verleihung der Bairischen Sprachwurzel halten dürfen. Aber die Lobrede heuer, sagt er, das sei die allerschwerste, die er jemals gehalten hat. Weil Hymnen auf Gerhard Polt, „de gibt’s zum Saufuadan“. Und auch Preise hat dieser „bescheidene Stenograf des Daseins“ (Polt über Polt) schon „Stuckara 37“ eingeheimst. Zur Sprachwurzel-Verleihung ist der 80-jährige Polt aber trotzdem gekommen.
Nicht zwecks dem 14 Kilo schweren Glastrumm, das er sich auf den Kamin stellen kann, sondern wegen des gemeinsamen Anliegens – und das ehre den „Bampalverein“ und seinen „Kapo“ Sepp Obermeier. „Da is net der Preis eine Ehrung für den Preisträger, sondern genau umdraht“, sagt Obermeier.
Seit 2005 verleiht der Bund Bairische Sprache den Preis an Persönlichkeiten, die in der Öffentlichkeit an ihrem Dialekt festhalten. Zu den Preisträgern zählen beispielsweise Luise Kinseher, Papst Benedikt XVI., Musiker Werner Schmidbauer oder auch Richard Loibl, der als Direktor des Museums der Bayerischen Geschichte am Samstag Hausherr ist.
Den Preis erhält Polt nicht für sein Bairisch auf der Bühne – dieses klammert das Vergabekriterium für die Sprachwurzel ausdrücklich aus. Geehrt wird Polt dafür, dass er sich auch in Interviews nicht vom Dialekt abgrenzt. Und spätestens durch ein einstündiges Interview, das er dem BR-Journalisten Johannes Roßteuscher „hundertprozentig auf Mittelbairisch“ gegeben hat, habe er das Soll „übererfüllt“, so Obermeier. „Ich bin halt in meiner Sprache gefangen“, sagt der Geehrte vor der Verleihung, draußen vor der Bavariathek. Und: „Man kann sich auch im Boarischn um Kopf und Kragen reden.“
So hochkarätig der Preisträger heuer ist, so düster sind die Prognosen für das Überleben der bairischen Mundart – zumindest sagt Laudator Wittmann das. „De gibt’s seit guad anderthalbtausend Johr, mit ihr hod de gesamte deitsche Literatur ogfangd, awa de wead ziemle sicher des 21. Jahrhundert ned überlebn.“ Sprachwurzel-Erfinder Obermeier mag nicht gar so schwarz sehen. Eine Zukunftsperspektive fürs Bairische gebe es in dem lockeren Spruch „Oiss is easy“, aus dem „Mausdoudschmatzer“ habe die junge Generation den „Flatrate-Schmatzer“ gemacht. Und es freue ihn unbandig, wenn Gerhard Polt meine, dass „gemütlich“ als Übersetzung für „groovy“ einfach nicht gegen das bairische „griabig“ ankommt.
Der Preisträger selbst schaut weder besonders optimistisch noch pessimistisch in die dialektale Zukunft. Am Bairischen hätten sich über die Jahrhunderte Schweden, Engländer und viele andere bedient. Für alle Nicht-Bayern hat der Kabarettist Mitgefühl, denn die hätten es natürlich nicht leicht. „Man muss schon Mitleid haben, wenn jemand sich mit so wenig Ausdrücken durchs Leben schlagen muss.“
Dann packt er das Glastrumm mit der linken Hand am Kragen und bringt es nach draußen über den Donaumarkt in Sicherheit. Ein Dialekt-Retter halt.
Auch der bairische Papst bekam die Wurzel
„Groovy“ kommt gegen „griabig“ nicht an