Wunsiedel/Waldsassen – Ihre Familie und Freunde haben die zehnjährige Lena am Samstag in einem Trauergottesdienst in Waldsassen im Kreis Tirschenreuth verabschiedet. Das Mädchen war am 4. April tot im Kinderheim Sankt Josef in Wunsiedel (Oberfranken) gefunden worden. Die Kriminalpolizei ermittelt wegen des Verdachts auf ein Tötungs- und ein Sexualdelikt. An der Tat soll ein Elfjähriger beteiligt gewesen sein, der im Heim lebte. Am Freitag wurde zudem bekannt, dass ein 25-Jähriger als dringend tatverdächtig gilt und in Untersuchungshaft sitzt.
Das war eine Nachricht, die die Trauernden noch einmal erschüttert hat, erklärte Stadtpfarrer Thomas Vogl auf der Trauerfeier. Er hatte Lena auch vor zwei Jahren bei ihrer Erstkommunion begleitet. „Der Schock sitzt tief, auch nach so langer Zeit“, sagte er. „Abscheu, Wut und Zorn mischen sich zur Trauer.“ Doch im Vordergrund des Gottesdienstes sollte Lena stehen: „Sie mochte Helene Fischer, Schlager und Country-Musik“, sagte Vogl. Das Lieblingslied der Verstorbenen – „Ich wollte nie erwachsen sein“ von Peter Maffay – wurde abgespielt. Auch die „Regenbogen“-Gruppe, Lenas Freunde aus dem Heim, und ihre Mitschüler nahmen an der Trauerfeier teil. „Das Lied wollte sie ihrer Gruppe noch beibringen“, sagte Vogl. Lena spielte Gitarre, liebte Reiten und war bei der Wasserwacht und Jugendfeuerwehr aktiv.
Noch immer laufen die Ermittlungen im Fall des toten Mädchens weiter: Der neue Tatverdächtige soll Lena gut gekannt haben und wohl für die Müllabfuhr im Kinderheim zuständig gewesen sein. Überführen konnte ihn die Polizei offenbar durch Handy-Nachrichten. Der 25-Jährige lebte vor der Festnahme mit seiner Verlobten und zwei Kindern zehn Kilometer entfernt vom Tatort. mm