„Der Mensch ist das Problem, nicht der Bär“

von Redaktion

Affenforscherin Jane Goodall fordert in München mehr Verständnis im Zusammenleben mit wilden Tieren

München – Für Affenforscherin Jane Goodall (89) sind Probleme mit Bären, wie sie die Alpenanrainer bewegen, nichts Besonderes. „Das gibt es auf der ganzen Welt, dass Mensch und Tier auf demselben Territorium aneinander- geraten“, kommentierte sie anlässlich ihrer Pressekonferenz in München, als unsere Zeitung sie nach ihrer Meinung zu Problembärin Gaia und dem Abschussbefehl für Wölfe fragte. „Ich kenne das aus Afrika. Dort machen sich die Elefanten gerne über die bebauten Äcker her. Die Menschen dort schießen sie aber nicht ab, sondern haben sich was ausgedacht: Sie umspannen die Felder mit Kabeln und hängen Bienenkörbe daran, denn Elefanten haben Angst vor Bienen.“ Durch den Trick habe man auch herausgefunden, dass die Elefanten besonders empfindliche Ohren besitzen, worauf auch Klangzäune die Tiere vom Feld fernhalten. „Den Fall der Bärin kann ich auf die Schnelle nicht beurteilen“, sagt Goodall, „aber es ist alles nur eine Frage des Verständnisses.“

Generell müsse man auch bedenken, dass Menschen, wilde Bären und Wölfe weitaus mehr Zeit miteinander in Frieden verbracht haben als im Kampf. Und auch, dass weitaus weniger Menschen durch Bären und andere Tiere sterben als andersherum. Der Mensch sei das Problem, nicht der Bär und andere Wildtiere. „Könnten mir meine Primaten ihren größten Wunsch mitteilen, dann wäre das, dass der Mensch von der Erde verschwindet. Wir quälen Tiere überall, nutzen sie für Versuche aus, jagen sie als Trophäen und zerstören ihren Lebensraum.“ Goodall ist derzeit in München, um am Donnerstag den mit 10 000 Euro dotierten Kinderpreis der Otto-Eckart-Stiftung in Empfang zu nehmen. Goodall und die Rösterei Care4Coffee im Werksviertel verbindet eine jahrelange Kooperation: Die Rösterei kauft ihre Bohnen bei Plantagen in Tansania, die von der Jane-Goodall-Stiftung gegründet und von Frauen oder jungen Leuten nach nachhaltigen Richtlinien geführt werden. Vom Verkauf des Kaffees fließt ein Teil in die Projekte der Goodall-Stiftung. Dem schloss sich die ebenfalls im Werksviertel ansässige Eckart-Stiftung an und vergab ihren Preis an die Care4Coffee-Schirmherrin. Das Preisgeld fließt an Projekte der Gooddall-Stiftung, die in Deutschland initiiert werden.

Wer Goodall sehen will, sollte am morgigen Donnerstag das Werksviertel besuchen. Von 10 bis 17 Uhr stellen sich hier Nachhaltigkeitsprojekte aus München vor, es gibt Workshops, Vorträge und Aktionen, auch mit Jane Goodall. ISABEL WINKLBAUER

Könnten Primaten reden, hätten sie nur einen Wunsch

Schirmherrin über nachhaltigen Kaffee im Werksviertel

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