Neuer Anlauf für Flughafen-Express

von Redaktion

Landtag schiebt Ministerium an und fordert Beseitigung von Problem-Bahnübergang an der S1

VON DIRK WALTER

München/Oberschleißheim – Es gibt Probleme, die sind für die Ewigkeit gemacht. Ein Beispiel kennt in Oberschleißheim im Landkreis München jeder Autofahrer: den höhengleichen Bahnübergang der B471 über die beiden Gleise der S1. Seit Jahren, wenn nicht Jahrzehnten, wird diskutiert, wie der lästige Bahnübergang beseitigt werden könnte – bisher ohne Ergebnis.

Jetzt gibt es einen neuen Anlauf: Im Bayerischen Landtag steht in Kürze ein Antrag von CSU und Freien Wählern zur Abstimmung, den Bahnübergang „schnellstmöglich“ durch eine „kreuzungsfreie Alternative“ zu ersetzen. Der Antrag liegt unserer Zeitung vor. Darin heißt es, unter Federführung der Staatsbau-Verwaltung solle ein Runder Tisch mit allen Beteiligten initiiert werden, um ein sogenanntes „Memorandum of Understanding“ zu verabschieden. Dort könnten Wege für die Beseitigung aufgezeigt werden.

Hintergrund ist die Forderung, einen Flughafen-Express über die S1-Strecke zu führen. „Eine Lösung ist dringlich“, sagt der FW-Abgeordnete Benno Zierer, einer der Initiatoren des Antrags. „Wir müssen hier tätig werden.“ Zuvor hatte schon der Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, Michael Theurer (FDP), eine Idee des unabhängigen Verkehrsplaners Thomas Hindelang aufgegriffen und Bayern aufgefordert, hier aktiv zu werden (wir berichteten). Hindelang war auch bei den Freien Wählern. Dass das bayerische Verkehrsministerium nach Theurers Vorstoß auf Abwehrhaltung ging (Griff „in die Mottenkiste“), ist Abgeordneten wie Zierer jetzt zu wenig. Sie fordern von der Staatsregierung, sich für die Digitalisierung des Bahnknotens München einzusetzen und dabei auch zu prüfen, ob der Flughafen-Express machbar ist. Zierer sieht auch den Flughafen in der Pflicht. „Mir kommt von dort zu wenig Druck.“ Ein Extra-Punkt ist der leidige Bahnübergang: Nach Meinung von CSU und FW ist er ein weiteres Hemmnis für den Flughafen-Express. Schon jetzt ist der Übergang etwa 40 Minuten in der Stunde geschlossen. Je mehr Züge auf der Strecke fahren, desto höher die Schrankenschließzeit. „Die Taktung weiter zu verdichten, halte ich für problematisch“, sagt der Abgeordnete Zierer, „weil dann die Schranke ja gar nicht mehr hoch geht“.

Allerdings gehen die Meinungen hier auseinander. Der Grünen-Abgeordnete Markus Büchler, der in Oberschleißheim wohnt, spricht von einem „Schaufensterantrag“. Er glaube nicht, dass durch Beseitigung eines Bahnübergangs der Weg für einen Flughafen-Express frei wäre. „Die Strecke ist so oder so voll“, bis zu 250 Züge fahren hier täglich, „das ist mehr als am Brenner-Zulauf durchs Inntal“, sagt Büchler. Selbst mit Digitalisierung seien nur wenige Zeitpuffer denkbar. „Man sollte dann schauen, dass die S-Bahnen pünktlicher werden, nicht aber zusätzlichen Verkehr draufpacken.“ Einen Flughafen-Express hält Büchler nur auf der S8-Strecke im Osten Münchens für denkbar – oder aber nach dem Bau zweier neuer Gleise auf der S1-Strecke.

Wie auch immer – Oberschleißheims Bürgermeister Markus Böck (CSU) würde sich einem Runden Tisch „selbstverständlich nicht“ verweigern. Der Handlungsdruck ist hoch – kürzlich warnte die Feuerwehr in einem Bedarfsplan, sie sei nur „bedingt einsatzfähig“, weil sie wegen der Schranke im Stau stehe und nur mit einem langen Umweg (über die Mittenheimer Straße) von Ost nach West komme. Wie der Bahnübergang ersetzt werden könnte – dazu existieren vor Ort unzählige Ideen. Eine Unterführung ist wegen des steilen Anstiegs ebenso schwierig – und umstritten – wie eine Überführung. Selbst eine Tieferlegung der Bahn in einem Tunnel wurde schon gefordert. „Irgendeine Lösung wäre gut“, sagt Böck.

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