München/Innsbruck – Baukostensteigerungen bei Tunneln – dieses Thema kennt man in München zur Genüge. Schließlich sind den Planern der 2. Stammstrecke die Kosten längst enteilt, sind statt einst 3,8 Milliarden nun über sieben Milliarden Euro wahrscheinlich. Nach anderen Berechnungen könnten es inzwischen auch 8,5 Milliarden sein. Doch auch jenseits der Grenze steigen im Tunnelbau die Preise.
Gestern hat das Unternehmen BBT, das den Bau des Brennerbasis-Tunnels bewerkstelligt, eine neue Kostenschätzung veröffentlicht. Demnach werden die Gesamtprojektkosten für den 55 Kilometer langen Tunnel zwischen Innsbruck und Franzensfeste mit zwei Röhren und einem Rettungsschacht auf 10,5 Milliarden Euro beziffert. Das sind 900 Millionen Euro mehr als zuvor. Die reinen Errichtungskosten inklusive der bahntechnischen Ausrüstung werden beim Brennerbasis-Tunnel mit 8,54 Milliarden angegeben. Dazu kommt ein Risikozuschlag von knapp 1,1 Milliarden Euro und 900 Millionen Euro für die künftige Inflation. Grund für den Anstieg sind laut BBT Preissteigerungen im Energiesektor und bei den Baustoffen. Im Unterschied zum Münchner Tunnel können die Tunnelbauer in Innsbruck und Bozen freilich mit einer Kofinanzierung durch die EU rechnen: bisher 1,6 Milliarden Euro. Den großen Rest tragen Österreich und Italien.
Auffällig ist, dass die BBT als Preisbasis den 1. Januar 2023 angibt. Bei der Deutschen Bahn ist das, wie zuletzt im baubegleitenden Ausschuss für die 2. Stammstrecke deutlich wurde, offenbar nicht möglich. Hier rechnet man noch mit Preisen von 2021. DIRK WALTER