Augen auf bei der Berufswahl

von Redaktion

Schüler oft überfordert – Aktionsrat Bildung fordert mehr Beratung an den Schulen

München – Die Schulen müssen nach Ansicht des Aktionsrats Bildung mehr für die Berufs- und Studienberatung tun. Jugendliche bewegten sich oft in Rollenklischees, entschieden sich schon in der Grundschule ein für allemal gegen bestimmte Berufe, weil ihnen das durch Eltern oder Freunde eingeflüstert werde. Das führe zu einer hohen Zahl von Abbrechern sowohl im Studium als auch in der Ausbildung, hieß es bei der Vorstellung des Jahresgutachtens, das der Aktionsrat traditionell bei der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft in München (vbw) präsentiert.

„Die Studien- und Berufsorientierung muss frühzeitig, altersgerecht und fächerübergreifend erfolgen und flächendeckend im Lehrplan verankert werden“, erklärte der Präsident der Wirtschafts-Vereinigung, Wolfram Hatz. Die Autoren des Gutachtens fordern die Herstellung der „beruflichen Souveränität“ von Schülerinnen und Schülern. Das bedeute: Die Berufswahl müsse „selbstbestimmt und kompetent“ getroffen werden, sagte der Vorsitzende des Aktionsrats, Prof. Dieter Lenzen. Nur so lasse sich die hohe Abbrecherquote senken. Zuletzt brachen 28 Prozent aller Studierenden ihr Studium vorzeitig ab – 32 Prozent sind es an den Unis, 25 Prozent an den Hochschulen für angewandte Wissenschaft. Aber auch bei den Azubis ist die Abbrecherquote mit 25 Prozent hoch.

Einer der Gründe: „Am häufigsten sprechen Studienberechtigte mit Eltern und Freunden über ihre Studien- und Berufswahl“, erläuterte eine der Gutachterinnen, die Soziologin Prof. Monika Jungbauer-Gans von der Uni Hannover. Demgegenüber spielen Studien- und Berufsberater „keine so große Rolle“. Der Aufwand, wenn Schulen das ändern wollen, kann riesig sein. Letztlich müsse jeder einzelne Schüler individuell bei der Berufswahl „begleitet“ werden, sagte Peter Danninger, Rektor der Krötensee-Mittelschule in Sulzbach-Rosenberg. Verpflichtende Berufspraktika erforderten zudem enge Kontakte mit örtlichen Firmen. Kultusminister Michael Piazolo regte in der Diskussion an, dass auch junge Leute aus den Betrieben, etwa frisch gebackene Meister, in die Schulen gehen und für ihre Berufe werben.

Sinnvoll ist es nach Ansicht des Aktionsrates, in Schulen eine für die Förderung der beruflichen Souveränität zuständige Fachkraft zu ernennen. Die Vereinigung der bayerischen Wirtschaft verleiht zusammen mit dem Kultusministerium Berufswahl-Siegel an Schulen, die sich hier engagieren.  dw

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