München – Der Bund Naturschutz fordert, den Ausbau der Autobahnen in Bayern zu stoppen. Er sei „tief enttäuscht“ über die bayerische Staatsregierung, die über die Pläne des Bundes hinaus weitere Autobahnen zum Ausbau angemeldet habe, sagte BN-Landesbeauftragter Martin Geilhufe. Um die Ausbaupläne hatte es einen heftigen Streit in der „Ampel“-Koalitionsregierung gegeben. Schließlich einigt man sich auf 144 Projekte bundesweit, die „beschleunigt“ ausgebaut werden sollen. 23 davon liegen in Bayern. Darunter sind beispielsweise die Verbreiterung der A99 im Münchner Osten und der Salzburger Autobahn A8. Bayern hatte vergangene Woche weitere vier Autobahnen zum beschleunigten Bau nachgemeldet: den Lückenschluss der A94 in Niederbayern sowie die Verbreiterung der A3 Deggendorf-Hengersberg, der A7 Hittistetten-Illertissen sowie der A96 zwischen Wörthsee und Oberpfaffenhofen – sie soll auf einer Länge von 4,5 Kilometern auf drei Fahrstreifen je Richtung ausgebaut werden.
Der Ausbau konterkariere den Klimaschutz und sei auch ein „Bruch“ des Klimaschutzgesetzes, sagte der Verkehrsforscher Professor Heiner Monheim, der den BN unterstützt. Er warnte vor einer „Endlosspirale“ von Straßenbau und Verkehrswachstum. Für den A8-Ausbau südlich von München rechne er mit Baumaßnahmen über fünf Jahre, wobei es erhebliche Einschränkungen für die Autofahrer geben werde. „Bereits drei bis fünf Jahre nach der Fertigstellung werden wir dort dann durch den Neuverkehr die gleiche Stauproblematik haben wie vorher.“
Besonders kritisch sieht der BN den A8-Ausbau von Rosenheim bis Siegsdorf. BN-Kreischef Peter Kasperczyk sprach von Erpressung, weil die Anlieger-Gemeinden nur bei einem Ausbau zusätzlichen Lärmschutz erhalten würden. Im Extremfall werde die Autobahn von 17 auf 36 Meter verbreitert, weil die Autobahn GmbH auf einem Ausbau auf je drei Spuren plus Standstreifen beharrt. Dabei sei der Anbau der Standstreifen allein ausreichend. dw