Grünes Plädoyer für die Kombihaltung

von Redaktion

VON CLAUDIA MÖLLERS

München – Bayerische Eigenarten und Sonderregelungen stehen in Berlin unter der Ampel-Regierung, so sagen viele, nicht gerade hoch im Kurs. Bayerns Bauern, die sich mit Bauchgrimmen an die Jahre 2001 bis 2005 unter der grünen Bundesagrarministerin Renate Künast erinnern, stehen schwierige Zeiten bevor: Die Grünen wollen das Tierschutzgesetz und die Nutztierordnung novellieren. Mitte des Monats wird ein erster Entwurf in die Ressortabstimmung gehen. Ein Punkt, der die Milchbauern besonders umtreibt: Die in Bayern noch weit verbreitete Anbindehaltung soll mit einer Übergangsfrist von zehn Jahren auslaufen.

Rund 24 000 Milchviehhalter gibt es noch in Bayern. Fast 13 000 haben die Rinder im Stall angebunden, in fast 10 000 Ställen sogar das ganze Jahr über. Meist sind es kleinere Höfe, die im Nebenerwerb betrieben werden und die keine Wiesen in Hofnähe haben, um ihre Tiere ins Freie zu lassen. Immer mehr Verbraucher stoßen sich an dieser Haltungsform, verlangen wie die Grünen mehr Tierwohl. Auch die Molkereien haben bereits angekündigt, dass sie Milch aus ganzjähriger Anbindehaltung nicht mehr abholen – oder nur mit Abschlägen. Die Landwirte hingegen fordern eine differenzierte Betrachtung, schließlich gibt es auch bei der Anbindehaltung große Unterschiede. „Ein Viertel der Biobauern haben Kombihaltung mit Weideaustrieb“, sagt Charlotte Roth, Referentin für Milch beim Bayerischen Bauernverband. Die Sorge, dass Anbindehaltung generell verboten werde, sei groß.

Einer, der sich eingehend damit befasst hat, ist Ludwig Hartmann, Co-Fraktionsvorsitzender der Grünen im Landtag. „Um das ganz klar zu sagen: Die ganzjährige Anbindehaltung wird auslaufen. Da gibt es keine Diskussion, das ist gesellschaftlich auch so gewollt“, sagt er. Doch die Kombihaltung, bei der die Kühe den Sommer über auf der Weide oder der Alm stehen und im Winter im Stall angebunden sind, soll weiter möglich sein. „Wir sollten nicht die Landwirte, die sich die Arbeit mit der Weidehaltung machen und Almwirtschaft betreiben, gleichsetzen mit den Bauern, die ganzjährige Anbindehaltung betreiben“, warnt er im Gespräch mit unserer Zeitung. Das seien Bauern, die die Tiere mit dem eigenen Heu fütterten und kein Kraftfutter aus Südamerika bräuchten. „Bei der Grünlandwirtschaft gehört die Kuh dazu.“

Für die Artenvielfalt auf den Weiden, fürs Tierwohl, für den Erhalt der Kulturlandschaft sei es wichtig: „Die Tiere sollen raus!“ Und nicht nur in modernen Laufställen stehen: „Dass die Tiere nie rauskommen und Regen spüren – das ist doch auch nicht erstrebenswert.“ Noch am Donnerstagabend war Hartmann im Kreis Bad Tölz-Wolfrathausen unterwegs. Auf dem Weg nach Königsdorf hat er viele Kühe draußen gesehen – genau das müsse man erhalten, die kleinteiligen Strukturen.

Hartmann weiß, dass viele kleine Betriebe mit zehn, vielleicht 20 Kühen in den nächsten zehn Jahren keinen neuen Laufstall für mehrere Hunderttausend Euro bauen können. Seit einem Jahr versucht er daher, seine Parteifreunde in Berlin davon zu überzeugen, dass die Kombi-Haltung eine Zukunft verdient. Agrarminister Cem Özdemir habe das bayerische Anliegen schon auf dem Schirm. Er hatte sich bereits vor einem Jahr in Holzkirchen (Kreis Miesbach) ein Bild von der Agrarstruktur am Alpengürtel gemacht. Nun gilt es, auch die anderen Parteifreunde zu überzeugen – unter anderem Renate Künast, die die Anbindehaltung strikt ablehnt und immerhin Sprecherin der AG Ernährung und Landwirtschaft ihrer Fraktion im Bundestag ist. Würde die Anbindehaltung komplett auslaufen, gibt es laut Hartmann „einen gewaltigen Strukturbruch“.

Der bayerische Grüne stellt sich eine Regelung so vor: Wenn die Tiere im Sommer auf der Weide sind, wird eine Ausnahme gemacht. Auch eine Größe der Betriebe soll eine Rolle spielen – die Höfe mit Kombihaltung hätten in der Regel 40 bis 60 Kühe. Im Winter bräuchten die Tiere Boxen, in denen sie sich bewegen können. „Ich habe ein gutes Bauchgefühl, dass das angekommen ist.“

Artikel 5 von 11