Münchner Anwalt will Braunbärin Gaia retten

von Redaktion

VON JOHANNES WELTE

München/Trient – Schon zweimal hat der Münchner Anwalt Arpad von Gaál Bärin Gaia das Leben gerettet. Am Donnerstag soll sich das Schicksal des Tiers entscheiden, das den Jogger Andrea Papi (26) am 5. April im Trentino getötet hat. Dann befindet das Verwaltungsgericht Trient, ob die Bärin eingeschläfert wird – oder im Bärengnadenhof Bad Füssing bei Passau ein neues Leben beginnen kann.

Von Gaál ist Vorstandsvorsitzender der vom 2005 verstorbenen Rechtsanwalt Andreas Grasmüller gegründeten Gewerkschaft für Tiere. Der Verein betreibt den Nutztiergnadenhof Gut Streiflach bei Germering (Kreis Fürstenfeldbruck) und den Bärengnadenhof Bad Füssing. Dort leben 14 Braunbären. „Wir kümmern uns dort um geschundene Bären“, erklärt von Gaál. Es handelt sich um ehemalige Zirkusbären oder Tiere, die in viel zu kleinen Gehegen gehalten wurden. Man habe 19 Jahre Erfahrung. Das Schicksal der Bärin Gaia (JJ4) hat den Tierrechtler bewegt: „JJ4 ist zuvor nicht durch Aggression aufgefallen. Bei dem tragischen Angriff auf den Jogger hatte sie ihre zwei Jungen dabei.“

Die schnellen Bewegungen des Joggers dürften sie erschreckt haben, meint von Gaál. „Das tragische Geschehen ist in einer sehr unglücklichen Situation entstanden“, so der Anwalt weiter.

Der Trienter Provinzpräsident Maurizio Fugatti von der rechten Partei Lega hatte nach dem tödlichen Vorfall eine Tötungsanordnung gegen Gaia verhängt. JJ4 wurde Mitte April gefangen und in das Bärengehege Casteller bei Trient gebracht. „Wir haben sofort ein Absichtsklärung beim Verwaltungsgericht abgegeben, dass wir die Bärin in unserem Bärengnadenhof aufnehmen würden“, berichtet von Gaál. Das Verwaltungsgericht setzte darauf den Tötungsbefehl Fugattis per Eilentscheidung aus. Auch eine zweite Keulungsanordnung wurde außer Kraft gesetzt. Die Begründung des Gerichts lautete: Da Gaia gefangen ist, stelle sie keine Gefährdung der Allgemeinheit mehr da.

Auch Fugattis Argument, dass der italienische Staat die Kosten für den Transfer tragen müsste, was nicht zu rechtfertigen sei, wurde von der Gewerkschaft für Tiere ausgehebelt: „Wir würden nicht nur für den Unterhalt der Bärin aufkommen, sondern auch den Transport finanzieren“, versicherte von Gaál gegenüber unserer Zeitung.

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