Die Eisheiligen bringen Regen – aber keinen Frost

von Redaktion

VON CORNELIA SCHRAMM

Farchant – Ein alter Hut sind die Bauernregeln rund um die Eisheiligen bestimmt nicht. Da ist sich Elisabeth Böhmer sicher. „Von den Temperaturen her müssen wir Mitte Mai wirklich jedes Jahr durch diese kritische Phase“, sagt Böhmer, die mit ihrer Familie in Farchant im Kreis Garmisch-Partenkirchen die Gärtnerei Böhmer betreibt. Nicht immer drohe in den Nächten zwischen 11. und 15. Mai harter Frost oder gar Schnee. „Aber den Wetterbericht sollte man auf jeden Fall im Auge behalten.“

Denn: Es gibt so einige Blumen und Gemüsepflänzchen, die ganz empfindlich auf Kälte reagieren. „Gurken-, Zucchini und Kürbispflänzchen verkaufen wir zwar jetzt schon, weisen die Kunden aber ausdrücklich darauf hin, dass sie sie erst ab 15. Mai bedenkenlos draußen einpflanzen können“, sagt Böhmer. Sie fühlen sich nachts erst ab zehn Grad wohl. „Daher kauft gut die Hälfte unserer Kunden diese wärmeliebenden Pflänzchen sowieso erst nach der Kalten Sophie.“

Alle Hobby-Gärtner, die es mal wieder nicht abwarten konnten, ihre Beete zu füllen, müssen jetzt aber nicht gleich wieder alle Pflänzchen ausbuddeln. „In den nächsten Nächten kann man die Pflanzen auch gut mit einem frostschützenden Gartenvlies abdecken“, erklärt Böhmer. „Kostengünstiger sind Zeitungspapier oder ein Stück Karton.“ Über Hochbeete lassen sich Betttücher spannen.

Genauso wichtig wie der Schutz über Nacht, ist es aber auch, die Pflanzen am Tag wieder abzudecken und atmen zu lassen. „Angestaute Luftfeuchtigkeit könnte Pilze verursachen“, sagt Böhmer.

Wo die Blumen und Pflanzen sehr geschützt stehen, etwa auf Balkon, Terrasse oder entlang einer Hauswand ist heuer vielleicht gar keine Abdeckung nötig. „Ich checke den Wetterbericht täglich“, sagt Böhmer. „Und glaube inzwischen, dass die Eisheiligen dieses Jahr eher milder ausfallen – hier in Farchant sind für die Nacht zwischen sechs und acht Grad angesagt.“ Um Geranien, Petunien, Kapkörbchen und Nemesia muss man sich laut der Gärtnerin also gar keine Sorgen machen. „Um die drei Grad wären aber kritisch.“

Auch der Deutsche Wetterdienst rechnet zu den Eisheiligen nicht mit Frost. Der Rest der Woche fällt zwar durchwachsen aus, die Temperaturen fallen wieder ab und am Alpenrand könnte es starke Regengüsse geben – aber: Bis Freitag liegen die Temperaturen hier bei bis zu 17 Grad und nachts im einstelligen, aber nicht-frostigen Bereich.

Bei dieser Wetterprognose juckt es den Hobby-Gärtner gleich in den Fingern. Und für den hat Böhmer auch einen neuartigen Tipp: „Der Schnittsalat Struwwel und Peter ist das Bayerische Gemüse des Jahres 2023“, sagt sie. Denn diese Mischung aus kräftigen Asia-Kräutern und milden Babyleaf-Blättchen hält nachts sogar null Grad stand – im Beet und auf der Fensterbank. Da kann auch die Schafskälte Mitte Juni nichts kaputtmachen.

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